11. KAP.
Moritz von Nassau
125
dessen Hinterwand mit Grotten und Masken verkleidet war, das Wasser herab. Denuntersten Abschluß bildeten zwei gemeißelte heraldische Löwen, ein Geschenk desAmsterdamer Rates, darüber verstreute eine Sternfontäne ihr Wasser. Auf der drittenaufsteigenden Terrasse blies ein auf einem Delphin sitzender Putto in eine Muschel.Endlich wurde die ganze Anlage gekrönt durch eine Minerva aus weißem Marmor, auchein holländisches Geschenk, sie stand in einem Amphitheater, das mit Vasen, Urnen undBassins geschmückt war. Moritz war weit gereist und kannte die südlichen Gärten, undwenn auch naturgemäß sein Auge vielfach auf das nahe Holland gerichtet war, so warsolch eine Anlage dort nicht gewachsen, und mit Recht konnte er immer aufs neue anden Kurfürsten berichten, daß seine Gäste aus Holland voll Staunen seine Schöpfungbewunderten 50 .
Solch ein reiches Aufblühen in Deutschland, unmittelbar in und aus dem Kriege her-aus, war aber eine seltene Ausnahme. Nur langsam und allmählich begann man in denganz verwüsteten Landstrecken sich zu erholen, sie aufs neue zu bebauen und zu be-pflanzen. Darum schließt der Dreißigjährige Krieg im ganzen die Renaissanceperiode derGartenkunst in Deutschland ab. Als dann die deutschen Fürsten sich wieder in sichererMacht und Wohlstand fühlten, so daß Schmuck und Luxus in ihren Wohnungen ihrsteigendes Bedürfnis wurde, da war für sie ein neuer Stern aufgegangen, der der Kulturauf allen Gebieten, in der Gartenkunst aber mit besonderem Schwünge, eine unwider-stehliche Richtung gab: Ludwig XIV.