9. KAP.
Evelyns Schilderung französischer Gärten
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gen dieses Hofes waren, stand obenan die Bankiersfamilie der Gondi. Sie erbautensich von den schnell erworbenen Reichtümern auf dem hohen Seineufer nahe demWeichbild der Stadt eine Villa und legten nach italienischem Vorbild seitlich vom Hausedie vielbewunderte Kaskade an, die Evelyn in ihrem alten Zustand schildert 68 . Aller-dings sollte sie einige Jahrzehnte später einer weit prächtigeren Platz machen, undauch die große Ausgestaltung der Gärten fällt erst in die Zeit Ludwigs XIV.
Evelyns anschauliche Schilderungen führen uns glücklich durch die Gärten aus derersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts, die füglich für uns die Betrachtung der Re-naissancekunst abschließen mögen, so wenig auch der Lauf der Entwicklung gerade inFrankreich irgendeine Stockung oder einen plötzlichen Umschwung zeigt. Und nichtnur die großen Vil-len, auch die kleinenStadtgärten besuchtEvelyn, deren be-schränkten Raum ihreBesitzer gerne durchgemalte Perspektivenerweitern. Der kleineGarten des Grafen Li-ancourt erscheint Eve-lyn dadurch viel grö-ßer; mit Hilfe der Ma-lerei läßt man sogareinen wirklichen klei-nen Graben „meilen-weitfortfließen" 69 . Einkleines Puppentheateram Ende des Gar-tens vermehrt diesespielerische Freude.Ein anderer Garten,an dem sich Evelyn sehr freut, gehört einem Herrn Morine, der ursprünglich nurein einfacher Gärtner war. Er hat seinen Garten als vollkommenes Oval angelegt,von Lebensbäumen umgeben, die wie Mauern glatt verschnitten sind; darin zog er dieseltensten, schönsten Pflanzen, Tulpen, Ranunkeln, Krokus und Anemonen. Er selbst,ein wunderlicher alter Sammler, lebte in einem kleinen Gartenhäuschen am Ende. Esist erklärlich, daß in diesen kleinen Stadtgärten sich der Spieltrieb besonders lebhaftzeigte — bei einem „roten Hause" hört Evelyn das Brunnenwerk ein Geräusch wie Un-wetter und Gewehrfeuer machen und vieles Ähnliche 70 .
An der Schwelle dieser Zeit aber hat die französische Gartenkunst ihren ersten Sän-ger gefunden. Rene Rapin 71 , der gelehrte, vielschreibende Jesuit, veröffentlichte imJahre 1665 ein Gedicht „Hortorum libri quattuor", das in unmittelbarer Anlehnung anVirgils „Georgica" eine Ergänzung auf dem Gebiete der Gärten, die der römische Dichtervernachlässigt habe, geben wollte. Rapin hat schon einiges von der Entwicklung derGärten im grand siecle gesehen, und manchen seiner poetischen Vorschriften hört man
Abb. 342Ruel, Grotte
Stich
von Perelle