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9. KAP.
Konstantinsbogen so täuschend gemalt war, daß die Schwalben durchzufliegen ver-suchten. Evelyn ist von dieser angenehmen Täuschung außerordentlich beglückt. Vordem Hause war ein Parterre mit schönen Brunnen und Bronzestatuen. Eines beson-deren Rufes erfreute sich die Grotte mit ihrem reichen Muschel werk, dem überraschen-den Regen und den beiden Musketieren davor, die den erschreckt Hinauseilenden miteiner Wassersalve empfingen, dieses letzte Motiv an Villa Lante erinnernd. Der Stolzdes Gartens war die große Kaskade, sie stürzte von einem steilen Abhang über Marmor-stufen, durch verschiedene Bassins aufgehalten, „mit erstaunlicher Wut und Lärm"herab. In jedem Bassin war ein Springbrunnen, das letzte zeigte eine Riesenmuschelaus Blei. Von dort floß das Wasser im stillen schmalen Kanal bis zu einer Grotte
Abb. 341
Le Jardin du
Luxembourg,
Paris,
Fontaine de
Medicis, heutige
Aufstellung
Nach Alphand M
(Abb. 342). Welch eine Vielseitigkeit der Motive zeigt ein solcher Garten, verglichenmit den klaren und imponierenden, aber auch einförmigen Plänen Du CerceauscherZeit. Noch aber ist man dieses Reichtums nicht recht Meister geworden, bedeut-same Anlagen weiß man in ihrer Wirkung für die Gesamtheit noch nicht auszu-nutzen, z. B. liegt die Kaskade, die den Eindruck beherrschen soll, nicht in derHauptachse des Hauses, sondern zur Seite, am Ende einer breiten Allee, die zumKonstantinsbogen führt.
Die Kaskaden waren in der ersten Hälfte des XVII. Jahrhunderts als ein neues Ge-schenk italienischen Geistes in die französischen Gärten eingeführt worden. Wo mandafür keine genügenden Höhenunterschiede fand, schüttete man Rasenterrassen auf, wiein dem ebenen Liancourt, einem anmutigen Garten, den die Gattin des Marschalls Schom-berg mit viel Liebe erbaut hatte. Die schönste Kaskade seiner Zeit rühmte sich jedochder Garten von St. Cloud zu haben. Unter den vielen Italienern, die im Gefolge MariaMedicis Frankreich überfluteten, deren abenteuernde Gestalten typische Erscheinun-