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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Rene Rapins Gartengedicht

9. KAP.

dies an. Doch besingt er hauptsächlich noch die Gärten der Zeit Maria Medicis und Hein-richs IV. Was Rapin im ersten Buche, dem,,Blumengarten", von der Anordnung der Par-terres verlangt, geht nicht über die Forderungen der Theoretiker hinaus. Den Blumenweiht der Dichter in ovidischer Weise nur anmutige Mythen. Ein neuer Geist aber kündigtsich in dem zweiten Buche, der eingehenden Behandlung des Parkes, desnemus", an:gleich beim Austritt aus dem Garten soll sich der Park wie eine Bühne regelmäßig ent-falten. Er zieht die geradlinige, rechtwinklige Stellung der Bäume dem Quinkunx vor,doch sind auch schräge Linien und einzelne Kreisbögen vielfach beliebt. Die Wege sollenalle mit feinem Sande oder dichtgeschorenem Rasen versehen sein, an den Seiten mögendie Weißbuchen oder Zypressen zu geraden Wänden verschnitten werden; doch magman ihre leichte Verzweigung auch zu tausend Figuren und allerlei Irrgängen ziehen.Als eigentlichen Parkbaum aber rühmt er die Eiche, und hier wendet er sich mit hef-tiger Polemik gegen das Verschneiden dieser Bäume, mit rhetorischer Berufung aufalle mythologischen Strafen an Baumfrevlern. Diese Aufmerksamkeit auf den Parkund seine künstlerische Ausbildung ist zwar der Renaissance nicht fremd, aber der naheZusammenschluß seiner Linienführung mit der des Gartens weist auf die kommendeZeit. Ebenso bringt das dritte Buch, das das Wasser behandelt, zwar noch allen Reich-tum der Phantasie der Renaissance, freut sich an allen den zahllosen Wasserscherzen,verlangt reiche Ausbildung der Kaskaden, drängt aber doch schon energisch auf stren-gere Linien auch der Wasser. Grotten mit Vexierwässern, mit Bimsstein und Muschelnverziert, seien zwar hübsch zum Ergötzen des Volkes bei Festtagen; wer aber klug,großartig und ernst denkt, der liebt große seeartige Bassins und Kanäle, die Flüssenachahmen; um sie zu besingen, will er seine Leier höher stimmen. An dieses Gedicht, dasRapins bestes Werk ist und lange eine große Berühmtheit genoß, fügte er später nocheine Prosaabhandlung. Hier führt er mit gründlicher und weitschweifiger Gelehrsam-keit, gleichsam als Vorspiel derQuerelle des modernes et des anciens", diemoderne"Ansicht durch: die Alten seien zwar begeistert für den Gartenbau gewesen, seien aberauf einer kunstlosen Stufe stehen geblieben, alle Fortschritte, alle eigentliche Kunstgehöre der neuen Zeit an. Der Garten des Alkinoos sei doch nur ein Bauerngarten ge-wesen, selbst die Sorten der Früchte seien gering. Heute aber sei der Garten der Ruhmunserer Zeit, ihre edelste Kunst, kein einigermaßen angesehenes Haus, das sich nichtheute durch einen Prunkgarten empfehlen wolle.Was früher als Knechtesarbeit an-gesehen, ist jetzt Herrenwerk und Erholung."

Das war ein Wort, das als Motto über der Periode der Gartenkunst stehen darf, anderen Schwelle Rapin schrieb, dem Zeitalter Ludwigs XIV.