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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Claude Mottet Du Perac

9. KAP.

beruft er sich auf den Gärtner des Königs, Claude Mollet; dieser legte in seinen letztenLebensjahren er schreibt 1613 die Erfahrung seiner Praxis auch theoretisch nieder.Claude Mollet gehört der bedeutendsten Gärtnerfamilie seiner Zeit an. Schon seinVater stand in königlichen Diensten, Claude selbst sagt von sich,Gott hat mir dieGnade angedeihen lassen, daß ich sehr schöne Sachen unter dem seligen Könige Harryle Grand gemacht habe." Er arbeitete an diesem Werke mit seinen Söhnen zusammen,die die Tafeln dafür entwarfen; es kam zwar erst viel später, 1652, unter dem TitelLeTheätre des plans et jardinages", heraus, entwirft aber ein klares Bild seiner eigenenTätigkeit. Die Söhne scheinen dann in auswärtige Dienste gegangen zu sein, dem einen,Andre, werden wir noch später als Theoretiker und Praktiker in englischen und schwe-dischen Diensten begegnen. Claude Mollet richtet in erster Linie sein Augenmerk aufdie Anlage des Parterres, das natürlich als der eigentliche Ziergarten den französischenGartenkünstler besonders interessierte. Im ganzen sehen wir in der Bepflanzung das-selbe Bild, wie bei Oliviers de Serres. Nur verlangt Mollet schon, daß in den Bordürenvon hohen Stauden, die in breitem Rande die Karrees der Gärten umgeben sollen, aller-lei Pflanzen untereinandergepflanzt werden sollen, so daß das blühende Band niemalsunterbrochen sei, die neuen Blüten immer nachwachsen sollen, ein Prinzip, das die mo-dernste Gärtnerei wieder aufgenommen hat. Mollet rühmt sich auch, den Buchs umseiner Dauerhaftigkeit und Schönheit willen im großen Maßstabe eingeführt zu haben.Er zuerst bildet auch die hohen Hecken aus Buchs, statt der Zypressen, die dem fran-zösischen Klima nicht standhalten. Nur die sehr hohen Spaliere will er mit einer Unter-stützung von totem Holz machen, zu dessen beiden Seiten die Pflanzen gezogen werdenmüssen, wobei man ihnen leichter die verlangte Form von Fenstern, Zinnen, Bogen undSäulen geben könne. Das wichtigste aber ist, daß Mollet während seiner Zeit eine großeEntwicklung der Parterreanlagen mitmacht. Wenn wir die Zeichnungen Du Cerceausdurchsehen, so zeigen alle seine Parterres gemeinsam eine Einteilung in verhältnismäßigkleine Vierecke, die zum größten Teil geometrische Muster enthalten. Sie mußten in mög-lichster Abwechslung gehalten werden; von dem erhöhten Umgange, sei es auf den Mauern,oder wie im Tuileriengarten Heinrichs IV. von rings daneben laufenden Terrassenwegen,konnte man gemächlich jedes einzeln für sich behandelte Muster betrachten. Erst gegenEnde des XVI. Jahrhunderts erfuhr nun dieses Parterre eine ganz neue Gestaltung. Molletgibt genau den Zeitpunkt an, in dem die kleinen, in geometrische Muster zerstücktenParterres zu einem zusammengeschlossenen durchdachten Plan vereint wurden 68 . ImJahre 1582 kehrte der französische Baumeister Du Perac von einer langen Pilgerfahrtaus Italien heim, er hatte dort als einer der eifrigsten die antike und die neue italienischeKunst studiert; noch heute gehören seine Stiche antiker Ruinen zu den wertvollsten.Von den Gärten, die er in Italien sah, scheint ihn die Villa d'Este am stärksten ange-zogen zu haben. Eine Serie seiner dort entstandenen Stiche, die zu den frühesten derVilla gehören, widmete er der italienischen Fürstin seines Landes, Maria Medici. Nachseiner Rückkehr wurde er von Heinrich IV. zu seinem Architekten ernannt und leitetedie Bauten von Fontainebleau, die dem König in diesen Jahren am meisten am Herzenlagen. Zugleich aber stand Du Perac auch in Diensten des Herzogs von Aumale, der ihn,wie Mollet erzählt, zum Bauintendanten aller seiner Schlösser machte. Für das Schloßvon Anet, das Mollet damals das schönste der französischen Schlösser dünkt, ent-warf Du Perac zuerst Zeichnungenderart, daß ein Garten nur ein einziges Parterre

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