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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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9. KAP.

9. KAP.

Künstliche Hügel als botanische Gärten

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Schon im Mittelalter war ja die Pflege der Pflanzen um ihrer medizinischen Kräftewillen Hand in Hand gegangen mit der Freude am Duft und der Schönheit der Blüten.Wie aus und mit dem medizinischen sich der Blumengarten entfaltet und bis tief in dieRenaissance auch in Italien sich der Name giardino dei semplici erhalten hat, wurde ver-schiedentlich berührt. Mit dem unerhörten Aufschwung, den die Botanik vor allem durchdie Einführung ausländischer Pflanzen machte, wurden diese medizinischen Gärten,ohne ganz ihren ursprünglichen Zweck aus den Augen zu lassen, zu botanischen Gärten.Umgekehrt wie in Italien ging in den nördlichen Ländern der Gründung von öffent-lichen botanischen Gärten, die nach rein wissenschaftlichen Interessen angelegt wur-den, die der privaten voraus. Während der Pariser Jardin des plantes erst im Jahre 1632,fast ein Jahrhundert später als in Italien, gegründet wurde, hören wir in Deutschland,Frankreich, den Niederlanden und England von einer ganzen Reihe privater botanischerGärten, die einen großen Ruf hatten. Meist verstand man darunter, daß die Besitzer inihren Blumengärten ausländische Pflanzen einführten und kultivierten. Olivier de Serres

Abb. 333Entwurf zueinem botani-schen Garten

Stich vonO. de Serres

aber, in seiner Vorliebe für eine reinliche Scheidung der einzelnen Gärten, rät demHaus-vater", neben dem Blumengarten noch einen medizinischen anzulegen,denn dadurchsind Heilkräuter und ausländische Pflanzen, die sehr selten, ausgezeichnet durch großeNützlichkeit und Dienste und unsern Hausvätern ganz unbekannt waren, bei uns ein-heimisch geworden". Für diese privaten botanischen Gärten bestimmt er nun künst-liche Hügel 57 (Abb. 333), er glaubt, damit Raum und Kosten zu sparen und zugleich,da man alle vier Seiten des Hügels zur Verfügung hat, den Pflanzen die nötige Ab-wechslung des Standortes zu geben. Oliviers de Serres wird ja die Schneckenberge in denGärten gekannt haben, wenn er sich auch auf den Turm zu Babel und den alexandrini-schen Pharos beruft. Seine Grundpläne geben dem künstlichen Hügel sowohl eine runde,wie eine viereckige Gestalt, dessen unterste Futtermauern Gelegenheit zur Anlegung vonGrotten geben. Er erinnert hier nicht an Diodors Schilderung der hängenden Gärten derSemiramis, aber sein Stich mit den seitlichen Treppenaufgängen, der Plattform auf demGipfel, den Grotten in den Futtermauern, könnte als eine Miniaturillustration jener ge-waltigen Bauten gelten. Wie weit Olivier mit diesen Plänen durchgedrungen ist, meldetkeine Quelle; immerhin war der Einfluß seines Buches so groß, daß man erwarten kann,daß mancher Hausvater den Versuch einer solchen Anlage gemacht haben wird. Allerdingsbezog sich sein Einfluß mehr auf das, was er erstrebte, eine Verbesserung des Ackerbauesund der Landwirtschaft, als die eigentliche Gartenkunst. Bei Besprechung des Ziergartens

3 Gothein, Gartenkunst II