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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Oliviers de Serres

9. KAP.

pfropfte, woran, ihn nachahmend, auch heute (1652) noch die großen Herren und Prinzenvon Frankreich ein besonderes Vergnügen haben'' 55 . Der früheste unter ihnen war Oliviersde Serres, dessen großes Werk ,,Le Theätre d'Agriculture" zuerst 1599 und dann in häu-figen Auflagen erschien. Das sechste Buch dieses Werkes, das besonders auf die Entwick-lung der Landwirtschaft in Frankreich großen Einfluß gehabt hat, beschäftigt sich mitdem Garten 66 . Er möchte die Gärten in Küchen-, Blumen-, Medizinal- und Obstgärteneingeteilt haben, wozu dann noch die Weingärten kommen. Man sieht schon aus dieserEinteilung, daß ihn in erster Linie die Kultur der Gärten interessiert und er fürden künstlerisch-architektonischen Gedanken wenig übrig hat: Küchen- und Obst-gärten,, von den Weinpflanzungen gar nicht zu sprechen, sollen daher auch räumlichdie andern weit übertreffen; doch da, wo er im X. XII. Kapitel den Blumengarten,Bouquetier", bespricht, legt er doch die architektonische Gestalt seinerzeit zugrundeund füllt vor unsern Augen die Parterres mit Blumen und Pflanzen aus. Er verlangtvöllige Symmetrie der Anlage und Bepflanzung dieser Parterres; diesen Namen führen dieBlumenmuster des Gartens von nun an ausschließlich, hergeleitet von partiri einteilen,im Gegensatz zu den hochgepflanzten Bosketts. Dabei aber soll größte Mannigfaltig-keit in der Aufeinanderfolge der Muster und Bepflanzung herrschen. Zur Umrandungder Parterres gebrauchte man wohlriechende, niedere Sträucher, wie Lavendel, Thymian,Minze, Mariolan und eine große Reihe anderer. Am Ende des Jahrhunderts aber drangmehr und mehr der Buchs, der sich durch seine immergrüne Dauerhaftigkeit empfahl,an die Stelle der andern. Das Innere der Muster wurde mit niederen Blumen, wie Veil-chen, Levkojen, Nelken, Stiefmütterchen und Maiglöckchen, bepflanzt; eine großeReihe der heute wieder unsere Beete füllenden, alten Arten, mehr als zwanzig, zähltde Serres auf. Noch spielen fremde, eingeführte Pflanzen, selbst Zwiebelgewächse,in den eigentlichen Gartenparterres eine geringe Rolle. Außen herum streute man,um dies bunte Bild noch mehr zu heben, farbige Erde, die mit Kunst ausgewähltwerden mußte, um alles zusammenstimmend zu machen. Die höher wachsenden Stau-den sollen als Einfassung der W T ege gepflanzt werden, doch verwirft er jede Mischungund will bei aller Abwechslung der einzelnen Stücke nur je eine Sorte zusammen-pflanzen. In die Ecken der Figuren möge man Zypressen pflanzen, während er andereBäume mit breitem Laubdach als die Muster störend ablehnt. Der Buchs eignet sichauf das schönste zu allerlei Verschnitt, man kann ihn zu Sitzen, Bänken, Gebäuden,Pyramiden, Säulen, Menschen und Tieren, je nach der Geschicklichkeit der Gärtner,gestalten. Doch ist im Parterre immer die Hauptsache das Zusammenstimmen unddie Übersichtlichkeit; eine Zypresse in der Mitte wirkt wie die Nadel einer Sonnen-uhr; statt der Baumpyramide kann man auch Statuen aller Art, Obelisken, Säulen,Pyramiden von Marmor, Jaspis und Porphyr, im Parterre aufstellen. Solch ein Parterreist vor allem dazu da, von oben betrachtet zu werden, daher ist es gut, wenn man nichtnur vom Hause, sondern auch von umgebenden Terrassen darauf schauen kann, wie esKönig Heinrich so schön in seinem Tuileriengarten gemacht habe, indem er eine Terrasse,mit Maulbeeralleen bepflanzt, um das Parterre geführt habe. Die merkwürdigsten Kapiteldieses Buches aber sind das XIV. und XV. über die Anlage der medizinischen Gärten.Das wissenschaftliche Interesse an der Botanik hatte in Italien schon um die Mitte desJahrhunderts zu der Gründung botanischer Gärten an den Universitäten in Padua undPisa geführt, jetzt, um die Wende des Jahrhunderts, sollte auch Nordeuropa folgen.