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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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9. KAP.

Eremitage von Gaillon

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gesprochen dem Vergnügen gewidmet ist, hingewiesen. So spielerisch die ganze Anlageist, soll ihr dabei der religiöse Charakter wohl bewahrt bleiben; es wohnte auch einwirklicher Geistlicher in dem Häuschen, und der Erbauer hatte sich in der Eremitagegewisse Herrenrechte vorbehalten, er erhielt im Hauseein Gericht Fleisch, zweiKrüge Wein, zwei Brote und den ersten Tanz nach dem Hochzeitsessen" 54 . Etwas Ähn-liches waren ja auch die Kapellen in Blois und anderen Gärten, nur hatten dieseOratorien noch ein ernsteres Ansehen. Im Park von Chantilly waren sogar siebenKapellen erbaut, die der Papst alle mit Ablaßrechten begabt hatte. Mit der Eremitageaber war der lieu de plaisance im Park von Gaillon noch nicht vollendet. Von dem Ein-siedlerfelsen führte ein breiter gemauerter, mit Balustraden eingefaßter Kanal zu einemkleinen Lusthäuschen, das der Kanal wieder rings umfließt. Der überreich ausge-schmückte kleine Marmorpalast, das weiße Haus genannt, enthält in seinem arkaden-

Abb. 332Gaillon,Eremitage undMaison blanche

Stich vonDu Cerceau

umgebenen Untergeschoß einen großen, mit Nischenfontänen geschmückten Garten-saal. Rings umgeben ihn die Baumwipfel des Parkes. Der Kanal ist auf einer Seite voneiner nischen- und balustradengeschmückten Futtermauer, auf der andern Seite voneinem zweiten Kanal begleitet, dessen Enden kreisförmig auslaufen. Leider hat diesbewegliche Volk der Franzosen ebenso leicht zerstört wie geschaffen. Oft schon hatdie nächste Generation, ja nicht selten der Erbauer selbst, solche Anlagen verfallenlassen oder geändert. Darum bleiben uns heute, um solche doch nur schematisch wir-kende Stiche Du Cerceaus zu beleben, nur gelegentliche Schilderungen oder Analogienzu dem an Renaissanceanlagen so überreichen Italien.

Mehr aber noch zur lebendigen Anschauung der gärtnerischen Wirkung dieser vonArchitekten entworfenen Pläne dienen die Werke der Gartentheoretiker, die am Endedieser Periode den reichen Abschluß dieser Entwicklung bilden und zum Teil auch schonin eine neue Zeit hinüberweisen. Die Wirksamkeit aller dieser Männer, Olivier de Serres,Mollet und Boyceau, gehört der Zeit Heinrichs IV. an, unter dem die Gartenkunst einenerneuten Aufschwung nahm. Sie rühmten sich alle, Henry le Grand glücklichen Ange-denkens gedient zu haben, der, wie es in einer Widmung heißt,selbst pflanzte und