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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
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Bernard Palissy

9. KAP.

die Königin-Mutter entwarf, also wohl die der Tuilerien, von außen und in dem um-gebenden Kanal Tiere von täuschender Naturwahrheit anbringen. Wenn nun bei diesenvier Eckgrotten das Äußere durch Bepflanzung und Gesträuch, durch künstlich herab-rieselndes Wasser, bemooste Steine usw. möglichst einem natürlichen Felsen gleich ge-staltet werden sollte,so daß man darunter keine menschliche Wohnung ahnte, wennman von oben auf den Felsvorsprung trat" 51 , so waren die Grotten am Ende der Alleenanders gestaltet. Diese wollte er aus Ulmen machen, deren Stämme als Säulenschäftedienten und deren Blätter und Zweige zu kunstvoll gestalteten Pavillons mit Fenstern,Friesen und Dach gezogen werden sollten. Solch ein Baumverschnitt kommt ihm mitRecht als etwas allgemein Gebrauchtes vor, auch hat er in vielen Gärten zum mindestenniederes Gebüsch in Gestalten vonKranich, Hahn, Gans und anderen Tieren, in ande-ren Gärten Reiter und Fußvolk mit verschiedensten Waffen, Buchstaben und Sinn-sprüchen" 52 verschnitten gesehen. Das Innere ist aber auch hier eine emaillierte Grotte.Das Zentrum endlich bildet ein aus Pappeln gezogener Pavillon, an der Spitze der Dach-wölbung ist eine Art Windorgel angebracht, in der Mitte des Kabinetts steht ein stei-nerner Tisch, ringsum sind grüne Hecken und Sitze angebracht, von außen umgibt ihneine Voliere, aus Lattenwerk und einem Netz von Kupferdraht geformt, vier Türen, denAlleen entsprechend, führen hinaus. Diese ganze Zentralanlage liegt auf einer kleinenInsel, die von einem Bächlein gebildet ist, das, von dem Felshügel herabgesammelt, alsfließendes Wasser den Garten durchströmt. Ganz auffallend ist in diesem Garten, deneine genial schwärmerische Töpferphantasie erdacht hat, die geringe Verwendung desW T assers. Palissy kennt es nur als fließendes Bächlein, und auch nur in der Weise einesKanals. Man muß sich nur erinnern, welchen Überreichtum an Motiven das W r asser da-mals dem italienischen Garten gab. Von der weiteren Bepflanzung des Gartens wirdwenig gesagt, ringsum läuft ein bedeckter Gang, das ist alles. Und doch wehrtPalissy heftig die Auslegung ab, als wäre sein Garten nur ein Traum, wie der desPolifilo. An einer Stelle gibt er allerdings zu, daß er einen Garten träume,wo dieHeiligen als Schäfer leben", aber dieser Garten soll ausgeführt werden und ein Vorbildfür viele sein.

Auch die literarische Stimmung, die dies Werkchen Palissys durchzieht: eine Ver-mischung religiöser Empfindung mit solcher, die im Vergnügen Quelle und Endzwecksieht, findet in wirklichen Schöpfungen jener Zeit ihren Ausdruck. DuCerceau bewahrtin der Eremitage von Gaillon ein Musterstück einer Anlage dieser Art 53 (Abb. 332). AmEnde des terrassenförmigen Parkes, der sich westlich von den Gärten erstreckt, erbautein den 60er Jahren der Kardinal Bourbon jeneChartreuse abondant en tout plaisir".Wenn man", schildert Du Cerceau,von dem oberen Garten durch den Park bald aufTerrassen, bald durch überdeckte Baumalleen immer mit dem Blick auf das schöne Talwandert, gelangt man zu einer kleinen Kapelle und einem kleinen Hause mit einem Ein-siedlerfelsen inmitten eines Wassers, in quadratischem Bassin eingeschlossen, ringsumhermit kleinen Wegen zum Lustwandeln. Um dort hineinzugelangen, muß man eine Schaukel-brücke überschreiten. Daneben sieht man ein Gärtlein, darin sind auf hohem Sockel34 Fuß hohe Statuen, allerlei Allegorien darstellend, aufgestellt, dabei mehrere Ber-ceaux mit Grün bezogen, es ist dieser Ort der Eremitage sehr hübsch und anmutig und sovoll Vergnügen, wie sich nur irgendeiner finden läßt." Es ist schon bei der spanischenEntwicklung vorausdeutend auf diese erste Eremitage in einem Garten, die zugleich aus-

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