S.KAP.
Bernard Palissy
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auf diesem Gebiete begann, die große Grotte im Tuileriengarten, die auf einer Insel lag;vier große emaillierte Brücken führen zu ihr herüber 483 . Weder von der Grotte nochden Brücken ist eine Spur geblieben, sie ist wohl niemals ganz fertig geworden, schonunter Heinrich IV. war sie ganz zerstört. Auch von der Grotte von Ecouen haben wirnur unbestimmte Nachrichten. Dafür ergeht sich Meister Palissy auf das eingehendstein dem Garten, den seine Phantasie sich schafft, „um sich darin zurückzuziehen undzu erholen in Zeiten der Zwietracht, Pest, Epidemien und anderer Heimsuchungen", überdie Anlage der Grotten. Die Lage des Gartens ist eben, zu Füßen eines Hügels und Fel-sens, der von Nord und West die bösen Winde abhält und ihm das nötige Wasser liefert,und zugleich, wie wir hören werden, zum Anlegen der verschiedensten Grotten dient.Palissy hat sein Werkchen 1563 herausgegeben, schrieb es aber noch in einer Zeit, woman in Frankreich eine völlig ebene Lage am Fuße eines Hügels als die allein möglicheansieht, „wo man noch alle Erhöhungen und Hänge im Garten mit großen Kosten ab-tragen ließ" 49 . Palissy versichert eifrig, daß es mehr als 4000 vornehme Wohnhäuser inFrankreich gebe, für die es ein leichtes wäre, eine so gewünschte Lage zu finden. In seinemGarten aber wird das Wohnhaus gar nicht erwähnt. Dieser ist ein ganz in sich geschlos-senes Viereck, das in den Hauptzügen seines Planes nicht über den mittelalterlichen hin-ausgeht. Zwei Hauptalleen durchkreuzen ihn und teilen ihn in vier gleiche Quadrate. Anden Enden der Hauptalleen, in den vier Ecken des Gartens und in seinem Zentrum sindGrotten angebracht, neun an der Zahl; zu diesen kommt dann noch eine zweistöckige Reihevon Gemächern, die in den begrenzenden Fels hin eingeschnitten sind. Die unterste istals eine Art Fruchtspeicher behandelt, die obere aber, vor der ein Balkon mit Balustradeläuft, ist, dem Genuß des Gartenbesitzers angepaßt, als kühler, luftiger Aufenthalt ge-staltet. Die Richtung von Palissys damals so ganz auf die täuschende Wiedergabe natür-licher Formen gerichteter Phantasie zeigt sich in dem Vorschlage, auf diesem Balkon,auf das Geländer gelehnt, menschliche Gestalten anzubringen, die so täuschend wirken,daß die Besucher ihnen ihre Reverenz machen. Palissy war ein Experimentator aufallen Gebieten; dieses Experiment erinnert an Gemälde, wie sie Mantegna an die Deckeder Camera degli sposi der Gonzaga in Mantua malte. Doch ist diese Schilderung be-deutsam, weil sie zuerst in den Garten die realistischen Gartenfiguren einführt, dievom XVII. Jahrhundert darin eine große Rolle spielen. Die acht Grotten, die den Gar-ten einschließen, sollen mit Amphitheatern, also wohl halbrunden Plätzen, umgebensein, die vier an der Ecke sollen den Eindruck von Felsenhöhlen machen, vorne sind sievon Säulen oder grimassenschneidenden Hermen gestützt. Auf dem Architrav werdenInschriften angebracht, die das Lob der Weisheit singen, die allein Gott wohlgefälligist; so sprach sich die Renaissancegesinnung des frommen Hugenotten aus. Das Innereder Grotten ist durchweg auf das reichste mit Email in allen erdenklichen Farben ge-schmückt, dessen Herstellung zu einer einheitlich spiegelnden Masse genau geschildertwird: durch ein großes Feuer im Innern habe er die Farben ineinanderfließend zu herr-lichem Irisieren gebracht. Dieses Email wird nach der von ihm so vollendet gehand-habten Technik mit allerlei naturalistisch gestalteten Tieren geschmückt. Aber auchPalissy hatte hierin schon ein Vorbild in seinem Lieblingsbuch, das er nie von sich ließ,dem „Traum des Polifilo", gefunden. Auch dort ist eine solche Grotte geschildert, in derEidechsen und Fische so natürlich in Farben und Bewegung gebildet sind, daß man glaubt,sie wirklich zu sehen 50 . Ähnlich wollte Palissy auch in einer anderen Grotte, die er für