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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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9. KAP.

Rabelais Bernard Palissy

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TF

entwürfen, die die Baumeister in ungehemmter Phantasie auf das Reißbrett brachten,sind solche Zentralbauten in allen geometrischen Gestalten sehr beliebt, besonders Del'Orme und Du Cerceau sind darin fruchtbar, letzterer läßt sie häufig von allen Seitendetoute sorte de jardins" umgeben sein, die er dann einzeln als giardini secreti behandelt 45 .

Den künstlerischen Phantasien der Architekten kamen noch die Schilderungen derDichter entgegen. Ein Sechseck von äußerster Regelmäßigkeit, mit Türmen in den Eckenund rings von Wassergräben umgeben, hatte schon Rabelais in seiner Thelemitenabtei er-dacht. In dieser völligen Harmonie der Teile zum Ganzen, in dem Zusammenwirken vonZahl und Rhythmus, wollte er ein Abbild und eine Grundlage geben für das Zusammen-leben und die gegenseitige Erziehung freier Menschen, die den Impuls zur Harmoniein keinem Zwang, sondern in dem freien Willen, in ihrem obersten Grundsatzfaisce que tu voudrois", fanden 46 . In der Mitte des Hofes erhebt sich der Dreigrazienbrunnen,jene Frauengestalten, die aus Brust, Mund, Augen, Ohren und anderen LeibesöffnungenWasser strömten. Gärten sollen an allen sechs Teilen des Schlosses liegen, an einer Seite,dort, wo die Loire vorüberfließt, erstreckt sich der Ziergarten, in seiner Mitte das Laby-rinth. Im Fruchtgarten an einer anderen Seite waren die Obstbäume genau im Quinkunxgepflanzt. Im Park, weiter um das Schloß gelagert, fehlten nicht die Bäder, die Tier-zwinger, das Hippodrom, das Theater, die offenen und bedeckten Räume für das Ball-spiel, die Zielscheibe für das Bogenschießen, Anlagen, die wohl zum Teil in den Parksdamals wirklich angetroffen wurden, oder die der Kenner des Altertums noch vervoll-ständigt hat. Rabelais gibt für die wirklichen Anlagen der einzelnen Gärten nur An-deutungen, alles Einzelwerk dient ihm nur dazu, den Grundcharakter seiner idealenErziehungsanstalt hervorzuheben.

Ganz anders eingehend verweilt gerade bei der Anlage eines Gartens ein anderer Utopistder französischen Renaissance, Bernard Palissy, der berühmte Töpfer und Kunsthand-werker. In seinem kleinen Schriftchen, das den seltsamen Namen führtWahrhaftes Re-zept, durch das alle Menschen Frankreichs lernen können, ihre Schätze zu vermehren",schildert ereinen köstlichen Garten, so schön, wie es keinen zweiten auf der Welt gibt,außer dem irdischen Paradies" 47 . So lautet es in der Widmung an den Herzog von Mont-morency. Palissy hatte in dem Vater, dem großen Connetable, der seine aufständischeVaterstadt belagerte, einen dauernden Beschützer gefunden, trotzdem er zu ihren eifrig-sten Verteidigern gehört hatte. Montmorency erst ermöglichte Palissy, seine vielseitigenTalente zur Entfaltung zu bringen. Der Connetable hatte damals gerade sein Schloß inEcouen vollendet, das er sich in den Zeiten der Verbannung erbaut hatte. Er trug nunals erstes Palissy auf, ihm in dem Garten dieses Schlosses eine Grotte anzulegen. DieGrottenleidenschaft hatte sich von Italien bald nach Frankreich verbreitet. Dort blühtesie schon im Anfang des XVI. Jahrhunderts. Ihr Gemeinsames bestand in demgrotes-ken" Schmuck, mit dem man bald Erdgeschoßzimmer, bald eigens aufgerichtete frei-stehende Bauten, bald in die Erde gehende Räume, diese meist unter den Terrassen,versah. In Frankreich begann man damit etwas später. Ein frühes Beispiel ist die nocherhaltene Grotte des pins in Fontainebleau. Um die Mitte des Jahrhunderts mußte aberjeder Garten, der auf Bedeutung Anspruch machte, mindestens eine solche Grotte be-sitzen. Da galt es für die Künstler, immer neue Ideen für den Schmuck erfinden.

Eine besondere Berühmtheit erlangte die Grotte von Meudon, als sie Ronsard beiden Vermählungsfeierlichkeiten von Claude de France, einer Tochter Heinrichs IL, mit