Druckschrift 
2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

HBBBBBH^B

18

Madrid'

9. KAP.

danken des Schmuckes mit, der die Franzosen mit großer Bewunderung erfüllte. DieFassade des Schlößchens war reich mit Fayence und Emaillen geschmückt, die denKönig jedenfalls an die Azulejos erinnerten, mit denen die Spanier ihre Villen und Gärtenzierten. Allerdings ließ er die Terrakotten von Girolamo della Robbia herstellen, doch wardieser internationale Kunstaustausch damals etwas ganz Allgemeines. Evelyn besuchtdies Madrid 1650, das Material ist nach seinem Bericht meist aus gemaltem Ton, wie Por-zellan oder Chinaware, die Farben sind sehr frisch, aber es ist sehr zerbrechlich. GanzeStatuen und Reliefs, Kamine und Säulen, sowohl draußen wie drinnen, sind von diesemTerrakott. Das Haus ist von einem Graben umgeben und hat einen wundervollen Blickauf das Bois de Boulogne und den Fluß. Das chinesische Porzellan, das mehr als ein Jahr-hundert einen so großen Einfluß auf Frankreich und auch auf die Villenkunst ausüben

Abb. 323

Valleri,

Gesamtansicht

Stich vonDu Cerceau

sollte, hat wohl auf den Schmuck von Madrid noch nicht eingewirkt. Leider sagt Evelynnichts und Du Cerceau nur wenig Befriedigendes von den Gärten. Der Zweck aber, zudem Franz den Bau häufig benutzte, nicht nur als ein Rendezvous de chasse, sondernauch für seine galanten Abenteuer, läßt auf sorgfältig gepflegte, der reizenden Außen-seite des Schlosses entsprechende Gärten schließen. Nach wechselvollen Schicksalen er-lebte dies Schlößchen noch kurz vor seinem Untergange eine Art Renaissance, als Ma-dame Necker dort ihren vielbesuchten, geistreichen Salon einrichtete.

Aus einer phantastischen Laune entstand der Bau eines Schlosses, das einer der Feld-herren Franz' L, Thomas Bohier, plante. Auf den Pfeilern einer alten Mühle in den FlußCher hinein wuchs das mächtige Schloß Chenonceau empor 35 , zugleich ein Zeichen dafür,daß die Vorliebe der Franzosen für Wasserschlösser sich immer weitere Abwechslungsuchte. Erst, nachdem das Schloß königlicher Besitz geworden war und Heinrich ILes seiner Maitresse, Diana von Poitiers, geschenkt hatte, wurde von dem Schlosse dielange Brücke nach dem entgegengesetzten Ufer geführt. Die Vollendung des ganzenPlanes gehört Katharina Medici an, die nach dem Tode des Gemahls die verhaßte Neben-