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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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Entwurf Leonardo da Vincis

9. KAP.

Allmählich aber drängte auch in Frankreich die Entwicklung desto mehr zueiner stärkeren Beziehung von Haus und Garten, je mehr beide zu einer symmetri-schen Gestaltung des Grundplans gelangten. Ein höchst interessanter Fund der Zeich-nung eines Villenentwurfes, den wir nach Geymülles Untersuchungen 27 Leonardo da Vincizuschreiben dürfen (Abb. 320), zeigt, wie dieser große Geist auch in dem kurzen, müdenLebensschluß in Frankreich sich noch dem künstlerischen Genius dieses Landes unter-wirft und die Entwicklung eines Wassergartens vorausgenommen hat: Das Schloß sollteauf dem Wege nach Amboise liegen, wie die Inschrift sagt. In Amboise hatte König Franzdem alten Meister, als er ihn 1516 für sein Reich gewann, in der Künstlerkolonie des-

Abb. 319Chantilly imXVI. Jahrh.

Schlößchens du Cloux eine Wohnung bereitet; dort schloß er drei Jahre später seineAugen, und der Schloßkirche von Amboise ward die Ehre, seine Gebeine zu bergen. DerGrundplan der Villa zeigt eine Regelmäßigkeit, wie sie Frankreich in jener Zeit nochnicht anwendet, doch ist das um einen Säulenhof erbaute Schloß von vier Ecktürmenflankiert und von drei Seiten von breiten Gräben umflossen. Eine Brücke führt in einenvon einer Portikus umgebenen Wirtschaftshof oder Garten mit zwei Brunnen, und hieranschließt sich, immer genau axial orientiert, ein kanalumflossener Garten, der leider nurangedeutet ist. Wahrscheinlich sollte sich an die andere Seite des Schlosses ebenfalls einGartenstück anschließen. Zur Seite dieser ganzen Anlage liegt ein großer vertiefter Weiherden sich der Meister in antiker Weise als Schauplatz von Wasserturnieren dachte: einFingerzeig, daß man die großen Weiher in Fontainebleau, Chantilly u. a., auch zu solchenZwecken benutzte, was dann ihre enorme Größe erklärt.