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2 (1914) Von der Renaissance in Frankreich bis zur Gegenwart
Entstehung
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9. KAP.

Chantilly

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Mittelpunkt die sogenannte Diana von Versailles, und wahrscheinlich hatte Franz hierauch noch andere Statuen aufgestellt. Eigentümlich ist, daß eine Pergola, die nach derSeite der hier ganz unregelmäßigen Fassade dem Garten eine gewisse Verbindung zumSchlosse geben sollte, nach dem Stich nicht axial zum Garten gerichtet ist.

Das zweite, ungefähr gleichzeitig entstandene Schloß, Chantilly 26 (Abb. 319), liegt aufeinem Felsen inmitten eines weiten, sumpfigen, von Wäldern ausgefüllten Tales.. Es wardas ganze Mittelalter hindurch ein stark befestigter Punkt. Im Jahre 1495 kam derBesitzin die Familie Montmorency, und im Jahre 15241532 errichtete der berühmte ConnetableAnne de Montmorency hier auf den alten Fundamenten mit Beibehaltung der drei, Eck-türme das Renaissanceschloß. Leider geben die Du Cerceauschen Stiche keine gute Vor-stellung von den Gärten, doch sind sie nach ähnlichen Prinzipien angelegt wie die vonFontainebleau. Die weitenWeiher, die das Schloß um-gaben, ließen der Anlage vonGärten neben dem Hause nureinen winzigen Raum. Aufder kleinen Insel neben demHauptschlosse wurde etwasspäter ein Kasino erbaut undvor diesem ein kleines, zier-liches Parterre, mit einer Vo-liere als Abschluß, die demGärtchen noch heute denNamen gibt. Größere Gärtenlegte der Connetable östlichder Weiher neben den Wirt-schaftsgebäuden an. Voreinem Ballspielhause, dasim XVI. Jahrhundert wederin Frankreich noch in Eng-land einem Schloßgarten

fehlen durfte, lagen mehrere regelmäßige Beete, daneben eine Grotte, von der sichnoch heute Spuren erhalten haben, während auf der anderen Seite eine erhöhteGalerie,des cerfs" genannt, dieses Parterre abschloß. Die ganze Anlage und Anord-nung erinnert lebhaft an den Jardin des pins in Fontainebleau. Und ebenso gemein-sam mit Fontainebleau hat Chantilly den ganzen, in Vierecke eingeteilten Baum- undWiesengarten, mit kleinen Kanälen umflossen, die hier wie dort jedenfalls die Be-wässerung sehr erleichterten. Einzelne dieser Stücke innerhalb der Kanäle waren inChantilly sogar mit Kornfeldern bestanden. Noch ist der Grundplan ganz unregel-mäßig, die Gartenstücke sind einzeln, fast zufällig hier- und dorthin verstreut, überallaber ist das Wasser als breiter Weiher oder.schmaler Kanal auffallend reich vertreten,selten schon kunstvoll gestaltet, mehr als Rahmen des Hauses und der Gartenstückewirkend. Gerade an diesen Schlössern aber sollte eine spätere Zeit die Meisterung desgegebenen Terrains unter einen bedeutenden Gartenplan, in dem das Wasser eineHauptrolle spielte, erweisen.

Abb. 31SFontainebleau,Grotte des pins

Zeichnung vonHepworth