9. KAP.
Blois
ein kleines Schloßgärtlein, an seinem mittelalterlichen Platze neben dem Bergfried.Karl ließ nun die hohe Terrasse erweitern, um Raum für einen größeren Gartenzu schaffen (Abb. 312). Dieser 9 wurde anfangs mit zierlichem Lattenwerk und Pavillonsumschlossen 10 , bis dann Ludwig XII. ihn rings mit einer Galerie umgab, wie aufdem Du Cerceauschen Stiche zu sehen. Das reiche Muster im Parterre gehört auchder Mitte des XVI. Jahrhunderts an. Zu Karls Zeit war der Garten noch zum Teilmit Obstbäumen bepflanzt, neben und um die geometrischen Blumenbeete. Wir hörenvon einem Ankauf von Obstbäumen, die Pasello für diesen Garten macht. Nach Südenaber, ganz abseits von dem eigentlichen Schloßgarten, der auf seiner hohen Terrassekeiner Erweiterung mehr fähig war, ließ der König einen Orangengarten anlegen, denersten, den Frankreich aufzuweisen hatte, und zur Erinnerung an diesen erstenOrangenbaum — es war natürlich noch die bittere Orange •— überreichte der Päch-ter dem König jedes Jahr einen Orangenzweig. Das Galeriegebäude, mit dem Lud-wig den Garten umgab, ist ein Motiv, das dem italienischen Garten nicht gefehlt
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I*. Stich vonDu Cerceau
hatte, aber früh von ihm aufgegeben wurde, während es Frankreich noch lange zueinem besonderen Schmuck seiner Gärten entwickelte. Ein zierlicher Pavillon ausLattenwerk, der hier nicht in der Mitte steht, sondern zur Seite gerückt ist, standnoch bis in die Mitte des XVII. Jahrhunderts, bis ein Unwetter ihn zertrümmerte.
Ganz anders reich ausgestaltet waren die Gärten von Blois 11 (Abb. 313), dem altenKönigsschloß, dessen Anfänge bis in die Römerzeit zurückreichten. Ludwig XII., der hiergeboren war, baute das Schloß auf den alten Fundamenten um; das eigentliche Gepräge,von der Stadtseite her, verlieh dem Baukomplex erst der vielbewunderte Flügel, denFranz I. zufügte. Ludwig verlegte die Residenz von Amboise nach diesem seinem Lieb-lingsschloß und nahm auch Pasello mit sich, der hier ein wachsendes Feld seiner Tätig-keit fand 12 . Auch hier war bisher von Gärten noch nicht viel vorhanden. Der mittelalter-liche kleine Garten, der sich wieder unter dem Donjon, aber hier ganz tief gelegen, alsschmaler Streifen hinzog, war schon vorher um ein großes Stück erweitert worden. Dieseralte Garten wurde nun als unterstes Parterre eines in drei mächtigen Terrassen mit ge-waltigen Stützmauern ansteigenden Gartens umgestaltet. Man schreckte wahrlich nichtdavor zurück, sehr beträchtliche Erdunterschiede zu überwinden, auch hierfür waren diegewaltigen Unterbauten, auf denen die hochgelegenen, mittelalterlichen Schlösser lagen,vorbildlich. Was aber auf den einzelnen Terrassen angelegt wurde, war doch wieder jedes-