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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Portugiesische Kreuzgänge

8. KAP.

Die Kreuzgänge der Klöster zeigen hier früh eine besonders reiche Gartengestaltung,der königliche Klosterhof in Batalha gehört noch dem Mittelalter an, auch die heutenoch erhaltene Gartenanlage mit ihren fünf schönen Brunnen wird wohl schon imXIV. und XV. Jahrhundert ähnlich gewesen sein. Sie unterscheidet sich nur durch ihreSchönheit, aber nicht wesentlich im Stile von andern frühen Gartenkreuzgängen. Nochvielseitiger scheint sich in der eigentlichen Renaissance die Anlage dieser Kreuzgängegestaltet zu haben. Im Kreuzgang von San Francisco in Evora sind es hochgemauerteKästen, die in regelmäßigen Sternfiguren mit der Fontäne in der Mitte und den Wegenein zierliches Muster bilden. Die kleinen Mauern sind mit Azulejos verkleidet. Heutenoch nennt man eine solche Anlagealegrete" 46 , was man etwa mit Lustgärtlein über-setzen könnte. Der Ausdruck -war schon in der Zeit Philipps bekannt. Er schreibt imJuli 1581 seinen Töchtern, ,,es gibt hier an verschiedenen Orten kleine Gärten, dienicht schlecht sind, man nennt sie alegretes. Wir werden die Pläne mit uns nehmen" 47 .Danach könnte man sich darunter etwas Ähnliches wie die giardini secreti der Italienerdenken; vielleicht aber bezeichnete man damit eine bestimmte Zeichnung in Plan undAnlage, ähnlich wie die in Evora.

In einem der nächsten Briefe bewundert Philipp besonders die Gärten des KlostersPenha longa bei Cintra, das seinen Namen von einem langen Felsen, auf dem es erbautwar, trägt.Sie sind sehr schön und zahlreich, es gibt da schöne Fontänen, die ichwohl gerne mit mir nehmen möchte" 48 . Von diesen Gärten, die von Mauern umschlossenneben den Klostergebäuden lagen, ist auch heute noch manches erhalten, neben den Fon-tänen eine fliesengeschmückte Grotte und ähnliches 49 . Zu den herrlichsten Kloster-höfen Portugals, ja vielleicht der Welt, gehört der große Kreuzgang des Klosters vonBelem in der letzten Vorstadt von Lissabon, der Haupt- und Lieblingsschöpfung desglücklichen Königs Manuel. Auch dieser Hof, in dem sich heute eine gleichgültigeGartenanlage befindet, hatte noch bis 1830 einen eigenartigen Garten. Der Brunnen,der jetzt an der Nordwestseite des Kreuzganges steht, bildete die Mitte einer Insel, die mitvier andern ringsumher liegenden durch Brücken verbunden war. Alle zusammen lagenin einem sternförmig angelegten Bassin. Die hohen Ufer des Bassins waren senkrechtmit Azulejos bekleidet, die Inseln als Gärtchen angelegt 50 . Ähnlich war der Kreuz-gang von Santa Cruz in Coimbra, hier krönen die Inseln kleine Kapellchen, die um einenoffenen Säulenrundbau in der Mitte liegen; auch sie sind untereinander durch Brückenverbunden. Von dem Wasserbassin gehen schmale Kanäle aus, in den ausgespartenVierecken sind Hecken und Beete angebracht 51 . Eine gewisse Verwandtschaft habendiese Klosterhöfe alle mit dem großen Kreuzgang des Escorials. Doch gehen sie ihmnicht nur zeitlich voran, sondern übertreffen ihn an Reichtum und Zierlichkeit derGartengestaltung.

Von der profanen Baukunst, den Villengärten, hat sich aus der ersten Hälfte desXVI. Jahrhunderts ein Kleinod erhalten in dem Landgut, das sich Dom Joäo de Castro,der große Vizekönig von Indien, angelegt hatte, Penha verde genannt. Das einfache Hausliegt fast auf der Höhe des Abhangs der Serra, nicht weit von Cintra. Der Ziergarten,ein geometrisches Parterre, liegt vor dem Schlosse. Das Bemerkenswerte ist die Anlagedes Parkes, der sich hinter dem Hause emporzieht und mehrere kleine Kapellen birgt.Auf dem höchsten Punkte liegt halb im Felsen der schöne Rundbau der Marienkapelle,von einer Ruinenarkade umgeben. Den Zugang zu der kleinen, inmitten herrlicher