8. KAP.
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Philipp IL in Portugal
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Baccio del Bianco, übertraf ihn in der Meinung der Zeitgenossen noch um ein Bedeu-tendes. Baccio del Bianco hatte eine Zeitlang in Prag in Wallensteins Diensten gestan-den und hatte für diesen die schöne Loggia seines Gartens und wohl diesen selbstauch angelegt. Als Baccio die Vorbereitungen zu Calderons Perseus traf, ging derDichter überwältigt zu seinem Monarchen und sagte ihm, er müsse Mahlzeit und Bettmitnehmen, denn die Vorstellung müsse bei solcher Umständlichkeit acht Tage dauern.Doch in wenigen vorgeschriebenen Stunden wickelte sich der ungeheuere Apparatohne eine Minute Stockung ab 4 - 5 .
Das waren die glanzvollsten Tage Spaniens, in denen Buen Retiro als prunk-voller Hintergrund jener festestrunkenen Versammlungen diente. Und doch taumeltediese scheinbar so reich begabte, geistig hochstehende Gesellschaft immer nahe amAbgrund hin. Buen Retiro erschien den Zeitgenossen schon wie jener Koloß mit dentönernen Füßen. Gleich nach seiner Erbauung regte sich der allgemeine Unwillen überdie ungeheueren Summen, die es verschlang, über die neronische Unbekümmertheit,mit der Olivarez hier der Stadt, der schon nach Westen hin durch das Schloß und dieCasa del Campo der Verkehr mit dem Lande versperrt war, nun auch im Osten einesolche Sperre vorlegte. Die Reichen murrten zudem, wenn er sie brandschatzte umder Kunstwerke willen, mit denen die weiten Zimmer des Palastes und der Gartengeschmückt werden mußten. Heute ist der Park nach der völligen Zerstörung desPalastes und seiner Gärten, wie einst in Rom das Gefilde des neronischen goldenenHauses, „Madrid wiedergegeben". Er ist in den großen Stadtpark verwandelt und trägtauch den offiziellen Namen Parque de Madrid. Mit Buen Retiro hört der italienischeEinfluß in der spanischen Gartenkunst auf. Als unter dem neuen Königsgeschlechtder Bourbonen noch einmal eine kurze Kunstblüte entstand, war es der übermächtigeEinfluß dieser mit ihnen von Norden kommenden Kultur, der hier neue Schöpfungenerstehen ließ.
PORTUGAL
ALS Philipp IL im Jahre 1581 Portugal in Besitz nahm, schreibt er an seineTöchtermit einem gewissen Neid von der Schönheit der Gärten seiner neuen Provinz. Wasbesonders Kastilien die Natur nur selten und meist nur bei sorgender Hilfe ge-währte, das ward Portugal mit überreichen Händen gespendet. Der schmale Küstenstreifam Ozean ist überall von den großen Strömen bewässert, die Spanien erst verlassen müssen,um schiffbar zu werden. Das Gebirge öffnet sich den belebenden westlichen Winden desMeeres. Die weiten Flußniederungen, die Hochebene ebenso wie die Hänge der Gebirgeladen gleichmäßig zum Anbau von Villen und Gärten ein, denn überall bietet dasglückliche Land der reichsten, mannigfaltigsten Vegetation günstige Bedingungen.Auch Portugal hat, um diese Naturgaben zur Kunst zu gestalten, fremden Einflussesund fremder Künstlerschaft bedurft. Leider sind die Denkmäler der Literatur, dieuns erhalten sind, zu wenig von alten Bildern unterstützt, um die Möglichkeiteines klaren Entwicklungsbildes zu geben. Was diese Reliquien vergangener Kunst-epochen Portugals für unsere Kunst zu sagen haben, ist die Ausbildung und dastreue Festhalten einiger Gartenmotive, die so ausgeprägt in anderen Ländern nichtangetroffen werden.
26 Gothein, Gartenkunst I