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Madrid, Buen Retiro
8. KAP.
indem er ihm seinen Alcaldenschlüssel auf silbernem Teller überreichte. Bisher hatteman nach Aranjuez hinausfahren müssen, um dort in den Gärten Festaufführungen zu ver-anstalten. Gleich der zweite Geburtstag, den Philipp als gekrönter Fürst 1623 feierte, wurdemit einem großartigen Schaufeste gefeiert, das damals auch ein Italiener, Cäsar Fontana,wohl aus der bekannten Familie der römischen Gartenarchitekten, leitete. Die Königinund die-Hofdamen spielten mit; schon in diesem ausführlichen Berichte spielten Zau-berburgen, Erdbeben, wunderbare Gärten, feuerspeiende Drachen, in der Luft schwebendeGenien eine große Rolle 42 . Hier aber hieß es Neues und immer wieder Neues bringen.Die Ingenieure feierten wahre Orgien ihrer Kunst. Es ist eine seltsame Erwägung, daßdie Maschinentechnik, die unser Zeitalter durch immer grandiosere Exaktheit undKontinuität im Dienste der Nützlichkeit umspannt und knechtet, daß diese selbe Ma-schinentechnik in ihren fröhlichen Kinderjahren dem ephemeren, luftigsten Tages-vergnügen ihre verwegensten und übermütigsten Erfindungen opferte.
Philipp IV. aber fand für seine Feste nicht nur Ingenieure und Musiker, die ihm dasAusland lieh, sondern auch Künstler im eigenen Lande: Maler, die bereit waren, ihmseine Dekorationen und Hintergründe zu malen; vor allem aber standen um seinen Throndie größten dramatischen Dichter, die seine Nation gekannt hat. Der alte Lope deVega war ebenso mit einem Einweihungsgedichte für die neue Villa bereit, wie Calde-ron, der Concordien, Loas und Autos dazu schreibt, die Olivarez' Schöpfung als dieheilige Stadt, das heilige Jerusalem deuten 43 . Der König brauchte nur einen Wunschauszusprechen, und jedes Fest in langer Kette wurde mit einem neuen Stück aus derFeder der großen Meister, der zweiten und dritten gar nicht zu denken, gefeiert. ImParke war das große Bassin mit seiner Insel ein besonders beliebter Platz für diese Auf-führungen. Dort wurde in der Johannisnacht 1640 über der Insel die Bühne, auf Barkenruhend, erbaut. Unermeßlich müssen die Maschinerien und Vorrichtungen gewesen sein,wenn wir hören, daß bei der Aufführung der Circe, einem seltsamen Gemisch aus Ho-mer, Ariost und Tasso, erst die Barke des Odysseus, dann der Wald der Circe mit wildenTieren und redenden Bäumen, dann das Zaubermahl und die Verwandlungen vorgeführtwurden, weiter all der Zauberspuk, den Circe Odysseus vorführt, um ihn zu umgarnen:Seeungeheuer, Tritonen, Sirenen, Amoretten, alles aus dem Wasser auftauchend, weiterder Zauberpalast, der zum Schluß, als Odysseus der Tugend in die Arme sinkt, unterBlitz, Donner und Erdbeben versinkt 44 .
Für die weniger Raum beanspruchenden Aufführungen hatte man schon 1637 dasTheater in Buen Retiro erbaut, das für die Entwicklung der Schauspielkunst in Spanienvon großer Bedeutung wurde; es war die erste spanische Hofbühne, neben den längst imgroßen Umfange bestehenden Volksbühnen. Nur der Hof hatte hier Zutritt; da aberauch hier größte Pracht der Darstellung erstes Erfordernis war, so war Cosimo Lottiauf den genialen Einfall gekommen, die Bühne so zu bauen, daß durch Herausnehmeneiner Hinterwand der Blick sich in den Park öffnete. Da eine Gartendekoration fast injedem der Stücke gefordert war, so hatte man nun den Vorzug, eine unbegrenzte Groß-räumigkeit, die Möglichkeit kunstvoller Zauberbeleuchtung und größter Natürlichkeitzu vereinen und hatte doch die Annehmlichkeit, in einem geschlossenen Räume nichtnur selbst zu sitzen, sondern auch das ganze Bild in geschlossenem Rahmen zu sehen.Cosimo Lotti schien sein Äußerstes geleistet zu haben. Sein Nachfolger jedoch, dernach seinem Tode als Gartenkünstler und Festdekorateur nach Madrid gerufen wurde,