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Aranjuez unter Philipp II.
8. KAP.
Spaziergang umgewandelt, wahrscheinlich schon ein mittelalterlicher Volksgarten, einErholungsort für die Bürgerschaft, wie wir solche bei Paris, Florenz und anderen Städtenfanden. Unter Philipp, besonders wenn während der Fastenzeit oder bei Trauer der Hofoben in San Jeronimo wohnte oder wenn von hier aus die Könige ihren Krönungs-einzug in die Stadt nahmen, war es das Rendezvous der vornehmen und galanten Welt.Schon damals bestand die dreifache Allee, der heutige Salon del Prado. Unter Philippwurde sie mit Fontänen geschmückt. Damals war der Ort weitberühmt, und „Venerisacer est et amoribus aptus", wie ein Berichterstatter sagt 18 .
Mit besonderer Liebe aber hing Philipp an Aranjuez, das er zur eigentlichen Sommer-residenz der spanischen Könige erhob. Hier hatte einst der Orden von Santiago einviereckiges, durch zwei hölzerne Zugbrücken zugängliches Wasserschloß besessen. Früh
Abb. 292Aranjuez,aus dem Nürn-berger Planvon Madrid
Stich von1. B. Homann
schon hatten die spanischen Könige, gelockt durch den Wasserreichtum und die inKastilien sonst unbekannte üppige Vegetation, es erworben. Isabella hatte gern dortgeweilt, es hieß damals Isla (Insel), da es auf einer Insel, vom Tajo und der Jarama ge-bildet, liegt. Auch Karl V. war häufig hier. Eine Fabel schreibt ihm die Anlage der Gärtenzu; Saint-Simon erzählt, der Kaiser habe sie nach altem vlamländischen Geschmackanlegen lassen und befohlen, daß sie immer von einem vlämischen Gärtner unter-halten werden sollten, und man habe dies treulich befolgt 19 . Des Kaisers geheiligteTradition war hier bis zum letzten Erlöschen seines Stammes wirksam; in Wirklichkeithatten die Gärten, als sie Saint-Simon im Anfang des XVIII. Jahrhunderts sah, schonso mannigfache Veränderungen durchgemacht, daß es äußerst schwer ist, ihre ursprüng-liche Gestalt zurückzurufen. Diese aber erhielten sie durch Philipp IL, der das kleineJagdschloß durch einen größeren Umbau zur ständigen Sommerresidenz erhob. Auchunter Philipp sind wohl die Gärten, die um das Schloß herum angelegt wurden, nochsehr klein gewesen 20 (Abb. 292). Und sehr spät erst dachte der König daran, die Tajoinsel,