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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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384
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Madrid, Schloß Philipps II.

8. KAP.

älter und düsterer er wurde, um so lieber, nachdem ihm Madrid fremd und ungeliebtgeworden war.

Er aber war es gewesen, der gleich zu Beginn seiner Regierung mit dem Umbau dermittelalterlichen Veste des Alcazar in Madrid begonnen hatte. Er hatte den großen Platzvor der Südseite freilegen lassen und hier eine vornehme Fassade im italienischen Stilgebaut, während der Palast nach der Flußseite, wo er sich auf steilem Hügel erhebt,sein mittelalterliches Ansehen behielt. Vor dieser Westseite am Fuße des Hanges fandPhilipp schon einen ausgedehnten Park, dem man den Jagdcharakter nicht nehmenwollte. Es wird erzählt, daß Karl V. Krähen aus den Niederlanden hierher verpflanzenließ, die in den Wipfeln der Bäume nisteten. Von den Gärten, die Philipp im Nord-osten des Palastes anlegen ließ, dem Garten des Königs, dem der Königin und dem derPriora, ist wenig bekannt. Ging doch alles, was an Gärten da war, im großen Brandevon 1747 unter und blieb jahrzehntelang wüst liegen. Im Norden muß ein Platz ge-legen haben, groß genug, daß in einem Amphitheater Stierkämpfe stattfinden konnten.Bessere Kunde ist von einer kleinen Lieblingsschöpfung des Königs erhalten. Südwest-lich, unter dem Torre d'oro und nur von diesem zugänglich, hatte er einen kleinen Sta-tuengarten geschaffen. Eine brunnengeschmückte Terrasse war als Gartenparterre an-gelegt, ringsumher hatte Philipp Halbfiguren römischer Kaiser aufgestellt. Er hattesie 1561 vom Kardinal Ricci da Montepulciano, der damals gerade mit dem Bau derspäteren Villa Medici begonnen hatte, geschenkt erhalten. Diese und eine Bronzekopiedes Dornausziehers sandte der Kardinal durch die Künstler selbst, die dem König wohlauch bei der Aufstellung geholfen haben 13 . Philipp wollte diesen Statuengarten imWetteifer mit den italienischen errichten, er fand es daher nicht zuviel, als er balddarauf vom Papst Pius V. die ganze Serie der Kaiser noch einmal erhielt, auch diesein demselben Garten aufzustellen. Später kamen dann noch Bronzebilder des Königsund seines Stiefbruders Don Juan d'Austria dazu. In den Gartenzimmern, die aufdiese Statuenterrasse schauten, hatte der König seine liebsten Gemälde, die Tizian fürihn gemalt hatte, untergebracht.

Gewiß hat er in dieser verschwiegenen, abgelegenen Ecke des großen finsteren Pa-lastes Stunden ungetrübter Ruhe und Freude verlebt. Denn dieser finstere, asketischeMonarch, dessen strenges Bild die Weltgeschichte in den dunkelsten Farben gemalthat, hatte Seiten von weicher, tiefer Menschlichkeit. Dies Antlitz, das er aber nur denkleinen, stillen Freuden des Lebens, seinen Kindern, der Natur, dem Garten, treuenDienern zukehrte, spiegelt sich deutlich in den noch nicht lange entdeckten Briefen, dieer in den Jahren 1581/83 während der Besitznahme von Portugal an seine beidenTöchter, Mädchen von 14 und 15 Jahren, schreibt. Nichts Seltsameres, ja Verblüffenderes,als diese zartfühlende Sorge eines Vaters, der mit fast mütterlicher Umsicht an die Be-dürfnisse seiner jungen Töchter denkt, der mit schwärmerischen Worten, wie sie imXVI. Jahrhundert sonst unerhört sind, seine Freude an der Natur, seine Sehnsuchtnach der Heimat, nach den Kindern kundgibt. Welch ein anderes Bild tritt aus diesenBlättern als das bekannte des menschenverachtenden Tyrannen, wenn er hier sich nachden Nachtigallen in den Gärten seiner Schlösser sehnt, wenn er seine Mädchen erinnert,wie er im Mondenschein mit ihnen auf der Gartenbank plauderte. Seinen alten Dienerund die ebenso alte Köchin führt er mit sich, ergötzt sich an ihren Schwächen, läßt sichvon seinem Gärtner jeden Tag einen Blumenstrauß bringen, bewundert aufs höchste