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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Escorial

8. KAP.

Charakter.Die Kapelle ist der erste Raum, den die spanischen Könige in ihren Häusernerrichten" 9 . Auch als Philipp II. den Neubau von Aranjuez befahl, wurde zuerst mitder Kapelle begonnen, und das alte Aranjuez war in seiner ursprünglichen Gestaltein Sommerhaus der Brüder von Santiago.Hier wechseln Zeremonien, Audienzen,Etikette mit andächtigen Exerzitien, wie Schlaf und Wachen, eines ruft das anderehervor", so schildert ein Italiener den Hof Philipps IV 10 . Und ganz anders und innerlichergalt dieses von dem seines Großvaters. Das war italienischem Wesen ganz fremd. Eingewisser Stolz, bei seinem Landhause auch einen Eremiten zu haben, um durch solchfriedlich frommen Schutz der Seele den Aufenthalt auf dem Lande noch angenehmer zumachen, führt zwar in der Frührenaissance auch in Italien hier und dort dazu, solch einAsyl im Parke zu erbauen. Stärker werden wir diese Neigung in Frankreich ausgebildetfinden, nur kommt hier sehr früh ein Zug ins theaterhaft Spielerische dazu, und dieseGesinnung breitete sich von Frankreich in ganz Nordeuropa aus, bis schließlich dieEremitagen in den Parks zu einer unverstandenen Formel wurden. Einmal aber, beiden Menschen des XV. und XVI. Jahrhunderts in Spanien, sprach sich ein inner-stes Bedürfnis aus, die Erholung ihres Leibes mit der tiefsten Devotion ihrer Seele zuverbinden. Der gigantische Ausdruck dieses Bedürfnisses ist der Bau des Escorial. Dererste Baumeister, der die Pläne für das königliche Kloster entwarf, Juan Bautista deToledo, war bald nach der Grundsteinlegung 1563 gestorben. Sein Nachfolger, der ei-gentliche Erbauer, ist Juan de Herrera. Es war wohl mehr als Zufall, daß nicht nurdieser Baumeister, sondern auch der Gärtner, den Philipp gleich berief, um sofort nachden ersten Grundmauern auch mit dem Garten zu beginnen, Marcos de Cordona 11 ,beide Männer waren, die bis zum letzten seinem Vater treu zur Seite gestanden hatten.Herrera war nach einer Architektenlehrzeit Offizier geworden und als solcher in derLeibgarde des Kaisers mit nach Yuste gegangen. Nach dessen Tode trat er bei Toledoin die Lehre und zeigte sich nach dieses Meisters unerwartetem Tode als sein bedeuten-der Nachfolger. Die Gruppierung der Gebäude mußte den sehr weit gehenden Anforde-rungen des Königs genügen. Das Ganze bildet ein gewaltiges Viereck. Durch das inder Mitte der Westfront gelegene Hauptportal tritt man in den Vorhof, von dem linksdas Kolleg, rechts das Kloster liegt, gegenüber der Eingang zur Kirche. Die Haupt-kapelle mit dem Hochaltar ragt über die östliche Front hinaus, und um sie herum liegtzweistöckig die Privatwohnung der königlichen Familie. Die Zimmer des Königs sind imVergleich zu der Pracht der anderen Gebäude sehr einfach gehalten, denn als Mönch, nichtals König wollte er hier weilen. Allerdings wollen die weißgetünchten Wände, die allenBesuchern von heute so auffallen, nichts sagen, denn selbst Karl V. hatte sich flandrischeTeppiche nach Yuste für die Bekleidung der Wände kommen lassen, und in die vonPhilipp testamentarisch verordnete Versteigerung seines Privateigentums, das auf sie-ben Millionen Goldtaler geschätzt wurde 12 , werden auch die Wandbekleidungen seinerZimmer im Escorial hineingekommen sein. Immer das Gedächtnis an den Vater vorAugen, hatte auch Philipp sein Schlafzimmer so in Verbindung mit der Kirche ge-baut, daß er von seinem Lager am Hochamt teilnehmen konnte, und so, das Kruzifixdes Vaters in den Händen, ist er gestorben. Und wie sein Vater hatte er gesorgt,daß seine Privatwohnung ganz isoliert von Kloster und Hofstaat lag, und dadurch,daß sie über die Ostfront hinaussprang, war sie auch von drei Seiten von Gärtenumgeben. Eine große breite Gartenterrasse legt sich hier vor die ganze Ostfassade