8. KAP.
Escorial
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Farben und Duft zu erfreuen. Dort genoß der kranke Kaiser seine letzten, reinen, welt-lichen Freuden, und an guten Tagen durchschritt er wohl die Pforte des hochgemauertenKlostergartens und trat hinaus auf ebenem Pfade in den Park, der mit alten Eichenund Kastanien bestanden war, unter denen auf grünem Rasen die Kühe weideten, diedie Milch für den königlichen Hofstaat lieferten. Kleine Betkapellen begleiteten denWeg, und hundert Schritt von dem Kloster war die Eremitage von Belem, wo der Kaiseram Tage vor seinem Eintritt in das Kloster gerastet hatte.
Zwei Jahre nur hatte der Klosteraufenthalt des Kaisers gedauert. Als gegen das Endedes Jahres 1558 sein Sohn Philipp das Testament seines Vaters erhielt, fand er darineine Aufforderung, ihm eine würdige Grabkirche zu errichten. Schon ein Jahr vorher,beim Siege von St. Quentin, wo einer seiner Generale ein Kloster des heiligen Laurentiushatte zerstören müssen, hatte der König gelobt, dem Heiligen dafür ein neues prächtiges
Abb. 290Escorial,^^»«^ Gesamtansicht
Stich
von Meunier
Kloster zu erbauen. Diese beiden Ideen verschmolzen sich nun mit einer dritten, seitlangem her tief im spanischen Wesen gewurzelten, die nun durch das erhabene Vorbildseines Vaters eine neue und besondere Bedeutung erhielt: Kloster und königliche Gruft-kirche mit einem fürstlichen Palast zu einem bisher nie erhörten Prachtbau zusammen-zuschweißen: so entstand der Plan des Escorial (Abb. 290).
Die Abdankung Karls V. wurde damals von der ganzen Welt mit scheuer Ehrfurcht undstaunender Bewunderung aufgenommen und als der erhabenste Schritt, den je ein Menschgetan, gepriesen. Es scheint, als hätte sein Sohn unter diesem Eindruck durch den Baudieses königlichen Residenzklosters ausdrücken wollen, daß auch er gesonnen sei, dasMönchsleben und die königliche Macht miteinander ganz zu durchdringen und in seinerPerson zu vereinigen. Der Gedanke, ein Kloster mit einer königlichen Wohnung zu ver-binden, war dem spanischen Hofleben nicht fremd. Schon lange besaßen die Könige einAbsteigequartier in dem über dem Prado vor dem Tore von Alcalä in Madrid gelegenenKloster St. Jeronimo. Um das Altarhaus legten sich dort die königlichen Zimmer. Die Ver-bindung religiöser Übungen und festlicher Vergnügungen entsprach ganz dem spanischen