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Alhambra, Palast Karls V.
8. KAP.
Abb. 287
Alcazar,
Sevilla, Pavillon
Karls V.
Phot.
rung, die dem arabischen Garten wahrscheinlich fremd war, führte Karl durch die An-lage eines sehr großen Labyrinthes (K) ein, es liegt auf der untersten Terrasse, so daßman es von oben überschauen konnte. In der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhundertshat das Barock dann in diese feine stille Anlage allerlei aufdringliche Neubauten, Tropf-steingrotten und Gartentore hineingestellt, daneben auch manche schöne Brunnen-anlage hinzugefügt, wie den Merkurbrunnen im Jardin del Estanque. Doch alles dieswird in dem Bilde immer nur wie ein Fremdkörper empfunden.
Karl V., der in diesem Garten sich noch ganz den maurischen Traditionen unterwarf,hatte doch an anderer Stelle der unverfälschten italienischen Renaissance sein spani-sches Land geöffnet. Der erste Versuchallerdings, den diese Kunst auf spani-schem Boden machte, der Palast, den derKaiser auf dem Alhambrahügel erbaute,ist Ruine geblieben, und von den be-absichtigten Gartenanlagen können wirkaum eine Ahnung erhalten. Karl hatteauf der Alhambra die ersten glücklichenMonate seiner jungen Ehe verlebt undhoffte immer, diese herrliche Gegend wie-derzusehen. Wir kennen den Zustand derStadt in jenen Jahren, die blühendenLandhäuser mit ihren kühlen, brunnen-durchrauschten Gärten, aus den Schilde-rungen Navageros 5 , der im Gefolge desFürsten, als einer seiner Vertrauten, ihrreizvolles Bild gezeichnet hat. Im näch-sten J ahre schon 1527 begann der Bau desneuen, ganz italienischen Palastes. DerGrundriß des quadratischen Zentral-baues, dessen Mitte der große, kreisrundeSäulenhof einnimmt, kann unmittelbarvon dem italienischen Villenbau der Zeit,besonders der Villa Madama, beeinflußt sein. Spielten doch in den Köpfen der Künstlerwie der Theoretiker solche Grundrisse eine bedeutende Rolle. Man erinnere sich anLeon Battista Albertis Vorschriften, Raffaels Gartengrundrisse, Serlios Villenpläne.Ob der mächtige Hof des Kaiserpalastes ganz leer, nur für Turniere und Festauf-züge gedacht war oder teilweise auch bepflanzt und mit Brunnen geschmückt werdensollte, wird eine offene Frage bleiben. Man denkt wohl dabei an den zentralen Fest-hof in Poggio Reale, den sich ein spanischer Prinz auf italienischem Boden erbauthatte. Karl kam nie dazu, hier Feste zu feiern, er hat den Bau, der Ruine blieb,niemals gesehen. Trotzdem ist augenscheinlich auch schon an Gärten gearbeitet worden,die vom Tale herauf wahrscheinlich in Terrassen aufsteigen sollten. Zu Anfang dervierziger Jahre scheint man alles für einen Besuch des Kaisers vorbereitet zu haben 6 .Damals ließ Luis de Mendoza an dem Aufgang zum Schloß einen Brunnen errichten(Abb. 288), der sich als ein Denkmal dieser Anlagen erhalten hat: dicht unter dem