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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
Entstehung
Seite
263
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ist zu einer tiefen, dreiteiligen Grotte benutzt, in der ein fortwährender Regen Kühlungbrachte. Hier war ein vielbewundertes Kunstwerk aufgestellt: ein Regengott, ein sitzen-der Alter, dem aus allen Poren der Haut, aus Bart- und Haupthaar Wasser floß. Seit-liche Treppen führen auf die oberste Terrasse, die ein Selvatico von Zypressen, Tannenund anderen immergrünen Bäumen umschloß, das, in schönster Weise angeordnet, keil-förmig zulaufend, in einer Loggia endete, vor der ein breites Wasserbecken lag 78 .Vasari weiß nicht genug von dem reichen Statuenschmuck zu berichten, der mit künst-lich ausgeklügelten Beziehungen auf das Mediceerhaus die Nischen an den Mauernschmückte, heute aber längst verschwunden ist.

Noch erscheint Vasari die sanft ansteigende Lage als besonders günstig, so daß manden Anstieg kaum merke, und doch den herrlichsten Blick auf Stadt und Landschafthabe. Nur die oberste Terrasse ist auf steilen seitlichen Treppen zu erreichen, so daßder eigentliche untere Ziergarten von dem Wäldchen auf der Höhe klar geschieden ist.Dieses bildet den schönen Abschluß für den Blick vom Hause. Daß das Haus nicht aus-geführt ist, wie Tribolo es wollte, zeigt die falsche Achse zum Garten; Tribolo plantejedenfalls einen Mittelbalkon in der Hauptachse, von dem man den ganzen Gartenüberschauen konnte. Tribolo selbst hat immer mit Wassermangel zu kämpfen gehabt,der den Weiterbau hemmte. Als aber Montaigne den Garten 1580 sieht 79 , entzückenihn die Brunnen, besonders der dicke Strahl, der aus dem Munde des Antäus aufsteigt,die Regengrotte und die mannigfachen Wasserscherze im Labyrinth. Die Bepflanzung,wie sie Montaigne sieht, stimmt im ganzen mit der Schilderung Vasaris überein. Den Fran-zosen erfreuen die völlig dichten, überwölbten immergrünen Laubengänge, die alleWege überschatten. Er sieht den Garten zuerst im Winter und ist später in der schönenJahreszeit fast enttäuscht, daß er sich so wenig verändert habe. Das beste Zeichen dafür,daß das bunte, blumenreiche Bild des mittelalterlichen und Frührenaissancegartens ganzüberwunden ist. Um die Liebe zu den Blumen und die Pflanzenliebhabereien zu be-friedigen, legte man ja die Sondergärtchen, die giardini secreti, an. Auch hierin Cas-tello lag er zur Seite des Hauses unter den Fenstern der Privatgemächer. Als Blumen-garten führt er noch den Namen „giardino dei semplici", Heilkräutergarten. Und daßhier auch wirklich solche Heilkräuter wie einst im Mittelalter gezogen wurden, zeigtder Äskulapbrunnen, der seine Mitte schmückt. Vasari wie Montaigne heben noch eineandere Eigentümlichkeit von Castello hervor. Sie schildern schon außerhalb des eigent-lichen Gartenbezirks eine alte, mit Efeu umwundene Eiche, in deren Zweigen Triboloeinen Sitz angebracht hatte, zu dem hölzerne Stufen emporführten. Im Efeu ver-borgen stiegen Wasserröhren empor, die zur Ergötzung der Gäste mannigfache Strahlenin die Höhe leiteten. Wir kennen diese Baumlauben vom Altertum her und haben siedurch das Mittelalter verfolgt. Auch Montaigne berichtet, daß er sie auf seiner Reisedurch Deutschland und die Schweiz mehrfach angetroffen habe. In Toskana waren sieaugenscheinlich weit verbreitet. Auf der Seitenterrasse der Villa Petraia steht nochheute ein schönes Exemplar. Eines der größten bewahrt Della Bellas Stich aus eineranderen Mediceervilla, aus Pratolino, auf (Abb. 178). Die Wasserkunst am Baume vonCastello stammt ebenso aus alten und fernen Vorbildern. Wir sahen, wie mindestens einliterarischer Einfluß des Baumbrunnens vom Orient her im Mittelalter nachzuweisenwar. Statt der orientalischen Pracht der Verkleidung von Edelmetall und kostbaremHolz bergen sich hier die Röhren im Efeu.