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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Ludovico Agostinos Villenreise

7. KAP.

ist römischer Einfluß noch gar nicht zu spüren, während die Kühnheit des Terrassenbauesauf das Vorbild des auf kolossalen Terrassen aufragenden Palazzo Ducale in Pesaro un-verkennbar hinweist. Auch das Wasser behandelt Genga in seinen Gärten noch mit einergewissen scheuen Zurückhaltung. Nur einzelne Brunnen plätschern in der Loggia, im Hofeund auf der ersten Terrasse. Ja, das große Wasserreservoir, das sowohl in Villa Madamawie im Palazzo del Te zu künstlerisch großzügiger Wirkung gebracht war, ist hier ebensowie die Verbindungstreppe unsichtbar, unterirdisch hinter der Grotte verborgen. Auchdie Bepflanzung der Gärten, in denen Zitronen- und Orangenbäume und die Obst-spaliere eine so große Rolle spielen, erinnert noch an die Frührenaissance, wenn auchdie Anlage der Schmuckterrasse, die zu dem Myrtengarten aufsteigt und dahinter voneinem Eichenboskett begrenzt ist, schon eine feine künstlerische Abstimmung und Har-monie zeigt.

Villa Imperiale war aber die Königin unter einem Kranz von Villen, der, wie Agos-tino erzählt, damals das glückliche urbinatische Land umflocht, Villen, die ,,an Schön-heit und Anmut miteinander wetteiferten". Nur wenige Wegstunden liegen sie vonein-ander. Und welches Bild von Festfreude und heiterer geselliger Gastlichkeit entwirfthier der Pesarese! Überall werden die Wanderer mit herzlicher Freude empfangen, über-all finden sie den liebenswürdigsten Wirt und eine glänzende Versammlung, in derSchönheit und Geist wetteifern. Der Herzog selbst macht zuerst den Cicerone, weistihnen die Schönheiten seiner Villa auf, und läßt ihnen jede Freiheit, sich daran zu er-freuen. Bei Tische würzen geistvolle Gespräche über ein gemeinsames Thema das Mahl,nachher erfreuen dichterische und musikalische Aufführungen. Gegen Abend wandertman weiter zu einer zweiten Villa, wo man die Nacht zubringen will. Der nächste Tagist dem Vogelfang geweiht, und wenn man heimkommt, so ist immer ein Kreis heitererMenschen beisammen, die die Ankömmlinge froh willkommen heißen und sie sofort inein anregendes Gespräch verwickeln. Agostino gibt von jeder Villa eine kleine Skizzebei, leider meist nur Grund- oder Aufriß des Hauses, von den Gärten sehen wir nichts,und erfahren auch nur belanglose Einzelheiten. Jede der Villen hat ihren besonderenReiz. Auf den Verbindungswegen schreiten sie durch Zypressenalleen und Wäld-chen von einer zur andern. Diese Villenwanderung ist in all ihrer Schlichtheit ein kleinesSeitenstück zu Castigliones großem Werke, demCortigiano'', und zeigt uns eine frohe Seitedieses Renaissancelebens. Das heitere Villenleben schlingt sich wie ein Rosenkranz durchdas an dunklen Schicksalen so reiche Dasein dieser Menschen. Einige der Villen auf denHügeln um Pesaro haben in ihren Gärten noch heute etwas von der alten Tradition er-halten. Ein schöner alter Garten zieht sich in vier Terrassen von der Villa Caprile (Mosta),die selbst ganz modernisiert ist, herab. Unten schließt ihn eine zinnenverschnittene Zy-pressenmauer ab 71 .

Durch Bilder solcher Schilderungen gereizt, späht das Auge nach den wenigen Restenaus dieser großen Zeit italienischer Kunst, aber von Gärten sind selten mehr als Bruch-stücke erhalten. Auf einem schmalen Hügelrücken südlich von Florenz liegt die schöneVilla dei Collazzi mit herrlichem Blick nach beiden Seiten auf die florentinische Ebene.Sie ist 1530 für die Familie Dini, Freunde Michelangelos, erbaut. Dies hat zu derAnnahme geführt, daß Michelangelo den Plan entworfen habe, den der Maler Santiausgeführt hat. Nur drei Viertel des geplanten Baues sind fertig geworden; so liegt dereigentliche Mittelpunkt der Fassade, der prächtige Hof, der sich auf eine Auffahrts-