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Gonzagaschloß in Mantua
7. KAP.
Garten schauen, malte. Das Zimmer ist eins der frühesten, das ausgemalt wurde, schon imSeptember 1527 wird es als nahezu fertig bezeichnet 60 , also jedenfalls, ehe der Gartenseine letzte Gestaltung erhielt. Auf dem Bilde ist das Halbrund des Abschlusses in einerSäulen- und Bogenstellung genau wie in der Gartenloggia dargestellt, darüber läuft einbalustradenumgebener Umgang, auf dem Personen sich der Aussicht auf den Gartenerfreuen, eine gleiche Balustrade schließt unten das Halbrund gegen eine breite Treppevon vier Stufen ab, die in ein Wasserbassin mit einem Springbrunnen führt. Zu beidenSeiten ragen aus dem Wasser seltsame Steinkästen oder Häuschen auf, über deren Be-deutung man nicht ganz klar wird. Giulio Romano liebt es, seine architektonischenArbeiten, die ihn gerade beschäftigten, zugleich malerisch festzuhalten. Prangt doch derunvollendete, noch eingerüstete Bau der Villa Madama in einer Ecke der Konstantin-schlacht im Vatikan. Dem ursprünglichen Plan des Künstlers zufolge sollte also derGarten von beiden Seiten von einem Wasserbassin umgeben werden. Die Eingeschlossen-heit sollte durch heitere Säulenhallen, die den Blick überall hinaus in die grüne Um-gebung gestatteten, erweitert werden. Die Gartenfassade des Hauses zeigte über derim Unterstocke durchgehenden Säulenstellung Fresken von Polidoro Caravaggio, „ver-schiedene natürliche Gestalten, Trophäen, Gesimse und Balustraden" 61 .
Noch sind die Gärten hier im mittelalterlichen Sinne rings umschlossene Binnen-gärten. Es fehlte eben hier der Impuls der Terrassenbildung, so daß Giulio trotz seinerVorbildung in Villa Madama nach dieser Richtung hier nichts leisten konnte; seineganze Kunst und sein Renaissancekönnen legte er in die umgebenden Bauglieder, inden Schmuck der Loggien und Nischen mit Stuck und Mosaik. Für diese Kunst bot ihmzudem die Stadtburg der Gonzagas die schönsten Vorbilder. Auch hier wollten diegroßen, jetzt ganz zerstörten Gärten nur Binnengärten sein; auch der auf gewaltigenBogen ruhende hängende Garten, der heute bis auf die Gewölbeansätze und ein paarMauernischen ganz verschwunden ist, war ein erweiterter Binnenhof. Ja, überall da,wo ein Gartenstück sich auf den See hätte öffnen können, schließt eine Mauer oder einSäulengang die Aussicht direkt ab. Die Mauern aber waren ringsumher mit Stuck undMosaik auf das heiterste verziert. Die schönsten stammen aus der glücklichen Zeit Isa-bella d'Estes. Ihre wohlerhaltenen Gemächer geben einen Eindruck von dem Geschmackder Fürstin. Giulio Romano ahmte im Palazzo del Te besonders das kleine Kasino Isa-bellas nach: ein paar Zimmer, die um einen kleinen reichen Gartenhof liegen. Isabellahatte es den Künsten, vornehmlich der Musik, geheiligt, es atmet noch heute stille,musische Zurückgezogenheit. Ein ähnliches Kasino, nur in größeren Dimensionen, er-baute Giulio in einer hinteren Ecke des Gartens im Palazzo del Te. Ein Vergleich derStuck- und Nischenverzierung der beiden Kasinos zeigt den kühneren, aber auch grö-beren Geist der Spätrenaissance. Das feine Mosaik und die zarte Profilierung der Stuck-ornamente in Isabellas Zimmern wird jetzt durch weit kräftigere Linien und Farbenersetzt. Vor allem tritt aber hier zum ersten Male, wenn auch noch sparsam verwandt,der Tuffstein als Nischenverkleidung auf, dem in der Folge eine so unbestrittene Herr-schaft in der Grottendekoration der Gärten zufallen sollte.
Wenn auch vielfach zerstört, so ist das Bild des Palazzo del Te den Lebenden nochnicht verloren; ganz vom Erdboden verschwunden ist aber Marmirolo, das Federigo I.auch von Giulio erbauen ließ, dessen Größe und Pracht Leandro Alberti besonders be-geisterte. Es war dies nicht nur ein kleines Lusthaus, das nur Festräume und gar keine