7. KAP.
Palazzo del Te
249
Landhaus, das alle Schönheit aus sich heraus, nur durch sich schaffen mußte. Die Fülledes heiteren Schmuckes in Malerei und Plastik, die sich im Innern der Gemächer undLoggien erhalten hat, erzählt sowohl von der frohen Festes- und Lebenslust des Fürsten-geschlechtes wie von der übermütigen Laune des Künstlers, dem sein Bauherr keineSchranken setzte. Der Reichtum der erhaltenen Innendekoration läßt uns einen Schlußmachen auf die leider fast ganz zerstörten Gärten. Hof und Außenfassade, die heutemit einer die Augen schmerzenden gelben Lunche überzogen sind, waren einst mit heiterenFresken bedeckt. Nach zwei Seiten um-
\'\.~ :■■■----■
-'/z.:
*9i
4=
6 • < '
«Oft
isL* o.
Jl^iL,*
j 1
e„t./L.
gaben das Haus Gärten, wie wir auseiner Beschreibung des XVI. Jahrhun-derts wissen 58 . Vor der heutigen Ein-gangsfassade nach Norden, der Stadt zu,lagen reich verzierte Gärten. Zuerst, zubeiden Seiten derEingangsloggia, sah manzwei kleine Gärtchen, die der Italiener„giardini secreti" nennt, kleine abge-schlossene Blumengärtchen, die auchspäter, als der Garten die trennendenMauern zwischen seinen verschiedenenTeilen fallen ließ, meist eine besondersabschließende Schutzmauer hatten. Hierwaren diese Mauern reich mit Nischen-werk geschmückt. Von der Anlage „desgroßen sehr schönen Gartens", der sichhiervor ausbreitete, wird nichts weiterberichtet. Von ihm aus erstreckte sicheine große Wiese bis zur Stadt. Der ein-zige Garten, der noch einige Züge seineralten Anlage zeigt, ist der rings von Ge-bäuden oder hohen Mauern umgebeneHofgarten östlich vom Hause: Aus demMittelbogen einer großen dreibogigenLoggia, deren Architektur und Schmucknach Strada „alles übertrifft, was ein
Mensch erdenken kann", tritt man auf eine Brücke, die über ein Wasserbassin führt,das in der ganzen Breite des Hauses sich zwischen dieses und den Garten legt. Dieserbreite Kanal wirkt hier wie ein letzter Rest des mittelalterlichen Wasserschlosses, dasItalien so viel früher als die nordischen Länder überwunden hat. Der Garten selbst warnoch am Ende des XVIII. Jahrhunderts mit einem Parterre von kunstvollen Beetengeschmückt 59 . Am entgegengesetzten Ende wird er durch das Halbrund eines Pilaster-umgangs begrenzt. Dieser Abschluß steht auf gleichem Niveau wie das ganze ebeneGartenstück und scheint von Anbeginn das etwas schwere, einförmige Ansehen gehabtzu haben. Daß aber in Giulio Romanos Kopf ursprünglich ein freierer, heiterer, aller-dings auch höchst kapriziöser Gedanke für diesen Abschluß lebendig war, zeigt einkleines Bild, daß der Künstler selbst an die Fensterwand eines der Zimmer, die auf diesen
UU J— Ut-'
o
Abb. 168
Palazzo del Te,
Mantua,
Grundriß
Nach Bottani
^■^B