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Villa Madama
7. KAP.
entkleidet, und Wagenladungen von Statuen wanderten nach Florenz und anderenStädten. Daß aber nie mehr an eine Wiederkehr alter Pracht gedacht werden konnte,dafür sorgte Sixtus V., als er auf der zweiten Terrasse, den unteren Hof gegen denGarten abschließend, den Querbau der sogenannten Bibliothek errichten ließ, wo-durch er, nur 25 Jahre nach der Vollendung der großen Bramantischen Schöpfung,dieser den Todesstoß versetzte. Zwar empfing der obere Garten erst im XVII. Jahr-hundert seinen schönsten Schmuck durch den Pinienzapfen. Paul V. hatte diesesHeiligtum der alten Basilika, das unter einem Tempelchen als Brunnen im Atriumgestanden hatte, von seinem alten Platze entfernen lassen, um Platz für den Lang-bau von St. Peter zu machen. Die noch leere große Nische des Bramantegartenswurde würdig damit geschmückt, und der Garten erhielt nach ihm fortan den NamenGiardino della pigna. Durch den Querbau aber war er selbst nun wenig mehr als einBinnenhof geworden, so daß der Braccio nuovo, der im XIX. Jahrhundert auch vor diezweite Terrasse sich vorlegte, kaum noch einen nennenswerten ästhetischen Schadenangerichtet hat.
So stückweise Bramante auch sein Werk nur hat selber fördern können, einen soweitreichenden, gebührenden Einfluß hat er doch auf die weitere Gartenentwicklungausgeübt. Es war ja unvermeidlich, daß die Großen des päpstlichen Roms, die als Bau-herren der Stadt mehr und mehr ihre Gestalt gaben, in dem Vatikan ihr Vorbild sahen.Noch vor einem halben Jahrhundert hatte Papst Nikolaus V. davon geträumt, einenPalast im Vatikan in so großen Dimensionen zu errichten, daß er die ganze Kurie um-fasse und alle Kardinäle darin wohnen könnten. Jetzt begannen diese Kardinäle nichtnur eigene Stadtpaläste, sondern daneben auch glänzende Landhäuser zu erbauen.Am emsigsten waren naturgemäß die Nepoten des regierenden Papstes. Sie setzten aufdas hohe Lotteriespiel der Lebensdauer ihres Verwandten; die kurze Zeit mußtenach Möglichkeit ausgenutzt werden. Diese Hast hat Rom so reich gemacht an Kunst-werken, aber auch — und was mußte schwerer darunter leiden als Gartenanlagen — sovieles Schöne und Herrliche entweder nicht vollendet oder doch nach kurzer Zeitverfallen lassen.
Allen voran ging der Nepote Leos X., Giulio Medici. Von seiner Familie ererbt, brachteer die Leidenschaft für das Leben auf der Villa mit. Draußen vor Ponte Molle strecktsich der lange wasserreiche Hügelrücken des Monte Mario, der auf halber Höhe eineverhältnismäßig ebene Terrasse mit herrlicher Aussicht zeigte: auf einer Seite liegt dieStadt, weit genug, um das Gefühl freier Ländlichkeit zu gewähren, und doch schnellerreichbar auf der gut gehaltenen via Flaminia. Nach der anderen Seite schlängeltsich der überbrückte Fluß durch die grüne, von Vignen bestandene Ebene, dahintererhebt sich der Kranz der Sabiner Berge. All dies reizte den Kardinal, sich dorthin eineVilla in ganz großem Stile zu erbauen. Die ersten Künstler seiner Zeit berief der Me-diceer, kein Geringerer als Raffael übernahm Plan und Bauleitung. Hätte das Schick-sal diesen Bau mit Vollendung gekrönt, ein Kleinod, das sich mit dem Herrlichsten, wasdie Renaissance geschaffen, hätte messen können, läge jetzt vor unseren Augen. Nunhaben wechselvolle Schicksale nur die Ruine eines Stückwerkes gelassen. Kaum Er-bautes wurde in grauser Plünderung wieder zerstört, denn da Giulio als Clemens VII.den päpstlichen Stuhl bestieg, war die Villa noch kaum bis zur Hälfte gediehen, undschon zwei Jahre später wurde sie das erste Opfer des Aufstandes, den Kardinal Pom-