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Soderinis Traktat über Agrikultur
7. KAP.
durchrieselte." Die Mitte des Gartens selbst wird also durch eine kreuzförmige Pergolabezeichnet, die zu dem festen Bestände des Gartens schon seit Jahrhunderten gehörte;ebenso wie sie Boccaccio kennt, findet sie sich noch in den Gartenbildern des XVII.Jahrhunderts wieder. Eine ganz neue Behandlung hat hier das Wasser erfahren, derBrunnen ist nicht mehr, wie meist im mittelalterlichen Garten, das Mittelprunkstück;dafür bildet die Grotte, die die Quelle vom Felsen faßt, den letzten Abschluß desganzen Gartens, der in seinem hinteren Teile durch den Kanal entzwei geschnittenwird. Leider deutet Bembo die weitere Wasserverteilung im Garten kaum an, ebenso-wenig erfahren wir die Bepflanzung der durch die Hecken eingerahmten Vierecke. Siewerden vielleicht kleine Brunnen mit Buchsverschnitt ringsumher, vielleicht auchFruchtbäume umschlossen haben. Welch eine durchdacht feine Abstufung aber zeigtdas ganze Bild, von der peinlichsten Ordnung in der Nähe des Hauses bis zu den freiund regellos wachsenden Bäumen des hinteren Gartens, dort wo der Fels ihn abschließt.Und doch sind auch diese ungehemmt wachsenden „selvatici" durch Symmetrie, Grotteund Wasserkanal streng stilisiert und in Massen zusammengeschlossen. Vor diese Wäldchen„voll einsamer Ehrfurcht" legt sich in heiterem Gegensatz die blumige, von dem W T asser-kanal durchrieselte Wiese und bietet wieder den Übergang zu dem streng gegliedertenund in starren Linien gehaltenen vorderen Teile, „wo kein Blatt sich außer der Reihezeigen darf". Weit mehr als in den Schilderungen Rucellais von dem von Alberti ent-worfenen Garten in Quaracchi sehen wir hier den bedeutendsten Teil der Forderungendes großen Theoretikers der Frührenaissance durchgeführt.
Alle bisher genannten Gärten waren fürstlicher Besitz. Doch auch der Farmgartenjener Zeit, wie ihn etwa Soderinis Traktat über Agrikultur 25 fordert, zeigt schon eingewisses künstlerisches Bestreben. Auch Soderini betont die Übereinstimmung derHauptlinien des Gartenplans mit der Fassade des Hauses, nach der er sich in Größeund Anordnung der Winkel zu richten habe. Vor den Fenstern der etwas erhöht liegen-den Villa soll der Ziergarten sich erstrecken, dahinter der Obstgarten, dann die Frucht-felder und zu den Seiten die Wiesen und Weiher. Darüber hinaus aber soll dem Blicksich noch eine weite Aussicht über die Ebene zum Meere oder Gebirge öffnen. Alle Garten-stücke und selbst die Felder sollen in gleiche Quadrate eingeteilt und von bequemen,breiten W 7 egen durchschnitten werden. Der Villa zunächst pflanze man immergrüneBäume, alle aber, auch die Fruchtbäume, müssen mit Sichel und Schere so behandeltwerden, daß keiner den anderen an Höhe überrage, und ihr Anblick gleich „dem einergrünen Wiese sei". Daß die Fruchtbäume im Quincunx nach Weise der Alten gepflanztwerden sollen, ist für jene Zeit eine allgemeine Forderung. Wie Alberti verlangt Soderinidie Pergola gemauert oder als Weinlaube, „wie man sie neuerdings bevorzuge". Siesollen so weit hinausgeführt werden, daß der Padrone, ohne von Sonne oder böserWitterung belästigt zu sein, bis hinaus aufs Feld gehen könne, um zu sehen, was dortvorgehe. Im Ziergarten stehen Vasen mit Blumen gefüllt und Zwergobst aller Art. Blumenverlangt er auch im Winter, noch denkt man dabei zuerst an medizinische Kräuter, dochliegt in dieser Forderung zugleich eine antike Reminiszenz. Sehr anmutig erscheint ihmder Gebrauch der Alten, den Namen der Herrschaft mit Buchs auf die Beete zu schreiben,und als ganz modern rühmt er, daß man auch die Wappen, ja Uhren, Tiere und Figurenaus Immortellen, Thymian und anderen wohlriechenden Kräutern herstelle. So zeigtSoderini ebenso seine Belesenheit in den alten Schriftstellern, besonders Plinius, wie