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Poggio Reale
7. KAP.
sein, so daß die eigentliche Ausgestaltung der Gärten einer etwas späteren Zeit zuge-schrieben werden muß 20 . Doch deutet eine gewisse Scheu vor dem eigentlichen Ter-rassenbau, zu dem die Lage des Hauses auf dem Hügel geradezu einlud, noch auf dasXV. Jahrhundert, ebenso wie die sehr spärliche Verwendung des Wassers zu künst-lerischen Zwecken, während wir doch wissen, daß eine Wasserleitung auf langem Bogenvon den benachbarten Hügeln herbeigeführt wurde, um die Äcker und Wiesen der Villazu bewässern. Lorenzo und der ganze Freundeskreis, die immer aufs neue den lieblichenLandsitz besingen 21 , wissen mit Stolz davon zu erzählen.
Etwa zu gleicher Zeit, als Poggio a Cajano entstand, erbaute sich bei Neapel Loren-zos Altersgenosse, der Kronprinz Alfonso, sein vielgerühmtes Sommerhaus, Poggio Re-ale. Lorenzo selbst, der anerkannte Herrscher im Reiche des Geschmacks, soll dem Er-bauer Benedetto da Majano den Plan dazu entworfen haben. Die Beziehungen, die sichdurch Lorenzos kühne Friedensfahrt zu Alfonsos Vater, Ferrante, zwischen Neapel undFlorenz angeknüpft hatten, werden zu dieser Überlieferung die Bausteine hergegebenhaben. Doch ist eine gewisse Ähnlichkeit der Grundrisse von Poggio a Cajano undPoggio Reale unverkennbar. Beide Villen haben die vorspringenden Ecktürme; beidem Neapeler Fürstensitz sind sie an allen vier Seiten durch Loggien verbunden, dieLorenzos Bau nur an der Vorderseite zeigt. An Stelle der großen Zentralhalle vonPoggio a Cajano tritt hier ein zentraler innerer Hof, der nach dem dürftigen Plan vonSerlio 22 , vor dessen Ungenauigkeit er selber warnt, den ganzen Kern des Gebäudesfüllt. Der Grundriß nebst einem Querschnitt des Hofes ist das einzige, was von diesemvom Erdboden völlig verschwundenen Lusthause Alfonsos aufbewahrt ist. Und aufden Hof konzentriert sich auch die Schilderung Serlios. Nach seinem Plane bildet er einRechteck, von einer zweistöckigen Säulenhalle umgeben, auf Stufen stieg man zu einemetwas vertieften Räume herab, in dem der König mit einer erlesenen Gesellschaft von Her-ren und Damen zu speisen liebte. Wenn die Laune am höchsten stieg, so öffneten sich aufdes Königs Wink verborgene Quellen und setzten im Nu den ganzen Hof unter Wasserund bereiteten der Gesellschaft ein unfreiwilliges Bad. In den Gemächern daneben warfür trockene Gewänder und Ruhebetten gesorgt. Alfonso war Spanier, und es ist wohl an-zunehmen, daß er diese Wasserscherze aus seiner Heimat eingeführt hat, wo ihm vielleichtGeneralife als Vorbild gedient hat. Danach wird wahrscheinlich auch dieser Hof, in demder König in fröhlicher Gesellschaft zu speisen liebte, mit Rasen und Bäumen bepflanztoder mindestens mit Kübelpflanzen geschmückt gewesen sein. Serlio schweigt davon, nurdie Erinnerung an den entschwundenen Frohsinn läßt ihn in die Worte ausbrechen:,,0 glückliches Italien, wie bist du durch unsere Uneinigkeit erloschen." Sein Schmerzens-schrei galt der französischen Fremdherrschaft, die mit Karls VIII. romantischem Er-oberungszug in Neapel aufgerichtet war. Den jugendlichen französischen Herrscher ent-zückte damals von der Pracht des Südens nichts so sehr wie die Schönheit und die präch-tigen Gärten und luftigen Hallen von Poggio Reale. Aber wenn schon Serlio „von denschönsten Gärten mit ihren verschiedenen Abteilungen von Obstbäumen, von der Fülleder Fischteiche, Vogelhäuser usw." aus Mangel an Raum nichts zu sagen weiß, so er-fahren wir von dem französischen Chronisten auch nur Ausrufe des Entzückens. Eben-so weiß die eingehendste Schilderung der Gärten in einem französischen Gedichte,,Le Vergiez d'Honeur" 23 nur ihre Merkwürdigkeiten planlos aufzuzählen: Garten-häuser, Loggien, blumenreiche Ziergärten, kleine Rasenflächen, Fontänen, Bäche und