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Villa Quaracchi
7. KAP.
wollte, eine sanft ansteigende erhöhte Lage haben. Der Hauptgarten aber war nochFruchtgarten, er war von einer breiten Hecke umgeben, die aus Lorbeer, Prunus,Wacholder und anderen Sträuchern verschnitten war, und der entlang eine MengeSitze einluden und ein schöner, immer sauberer Fußpfad lief. Diese Hecke um-schloß eine Menge verschiedenartigster Obstbäume, auch ausländische, wenig be-kannte Fruchtbäume, darunter eine Sykomore, auf die Rucellai besonders stolz ist, dieer sich vielleicht von einer Expedition nach Palästina mitgebracht hatte 10 . Inner-halb dieser Hecke sah man auch einen Rosengarten, weiter neben der Pergola einLabyrinth aus Rosen und Geißblatt um einen runden Stein in der Mitte, eine Laubevon Tannen und Lorbeer und eine andere von Geißblatt. Ein anderes notwendigesStück eines italienischen Gartens, der Vogelherd, fehlte nicht. Auch ein Schnecken-hügel, mit immergrünem Gehölz bestanden, dessen acht kreisrunde Umgänge spiral-förmig zum Gipfel führten, wird erwähnt. In der Nähe des Hauses, wohl zur Seite ge-legen, war ein großer, rings mit Balustraden umgebener Fischteich, von einem immer-grünen Wäldchen beschattet.
Und alle diese Herrlichkeit gönnte der Besitzer auch dem Auge des Vorüber-gehenden. Zwischen Garten und Arno führte die Pistojeser Straße vorbei, und hier,wo sich vom Tore aus die große Allee zum Flusse hinunterzog, war ein Baumwäldchen(albereto) mit einem Ballspielhäuschen darin; dies diente, wie Rucellai besondersbetont, in erster Linie den Passanten, die hier, vor der Sonnenglut geschützt, mitMuße die Schönheiten des Gartens überschauen und genießen konnten, nachdem siewomöglich noch in den Fluten eines Bächleins, dessen klare Wellen das Wäldchenvon einer Seite begrenzten, sich hatten erfrischen können. Und die Einwohner von SanPier a Quaracchi wußten solche Liberalität auch zu schätzen, denn in feierlicherKirchenversammlung im Jahre 1480 erklärten die Männer der kleinen Gemeinde, daßals Dank für die vielen Wohltaten, die das Haus der Rucellai ihnen gewährt habe, undweil die Schönheit und Vornehmheit dieses Gartens ihnen selbst zum Ruhme ge-reiche, zwei aus ihrer Mitte Erwählten die volle Autorität erteilt werden sollte, denGarten auf Kosten der Bevölkerung in seiner Schönheit und Vornehmheit zu erhalten 11 .Welch ein Zeugnis gesteigerter Kultur haben sich diese Florentiner Bauern damitgesetzt!
Noch hören wir in dieser Gartenschilderung wenig von Wasserkunst, das Haus ist inmittelalterlicher Weise von einem Graben umgeben, und hinter dem Hause liegt derfischreiche Weiher. Auch das wie „Ambra klare Bächlein" im Wäldchen vor dem Torescheint den Hauptgarten gar nicht zu berühren, und der Arno ist nur als Aussichtbenutzt. Auch schweigt der Bericht ganz von plastischem Schmuck, nur vonTerrakottavasen ist die Rede. Um so größeren Nachdruck legt er auf den verschnittenenBuchs, der augenscheinlich hier, wie wahrscheinlich überall im Mittelalter, die Stelleder Statuen vertritt. Wir sehen ihn in allen erdenklichen Gestalten und Bildern auf-treten. In dem Blumengarten, den der Beschauer von der Pistojeser Straße am bestenübersehen konnte, bildete den Mittelpunkt der schon erwähnte, in fünf Stufen verschnit-tene Buchs, daneben werden Riesen und Zentauren genannt, Schiffe, Galeeren, Tempel,Pfeiler, Männer, Frauen, Päpste, Kardinäle, Drachen und Tiere aller Art, und vielesandere im bunten Durcheinander. Teils schneidet man sie aus den Hecken heraus, teilswerden sie als Einzelgestalten gezogen. Alberti legt merkwürdigerweise als Theoretiker