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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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7. KAP.

Rucellais Villa Quaracchi

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Alberti aber eilt als Theoretiker seiner Zeit voraus, eine bewußte Durchführung seinerPrinzipien können wir erst in einer etwas späteren Zeit erkennen. Ja, wo er selbst alsPraktiker tätig ist, scheint er sich, wie die andern auch, nur sehr allmählich aus denFesseln mittelalterlicher Tradition zu lösen.

Ein glücklicher Zufall hat uns die genaue Schilderung eines Gartens aufbewahrt,den man mit größter Wahrscheinlichkeit auf Alberti zurückführen darf. Es ist dies derGarten der Villa Quaracchi, dem Landhause Giovanni Rucellais 5 . Alberti war derFreund und Baumeister des reichen florentinischen Kaufmanns. In seinem Auftrageentwarf er die Pläne für die Fassade der Kirche Santa Maria Novella in Florenz, denStadtpalast in der via della Vigna, die sogenannte Loggia dei Rucellai gegenüber unddraußen vor Florenz, rechts vom Wege, welcher nach Pistoja führt, für einen großenPalast mit wasserreichen Gräben und sehr schönen Gärten" 6 . Da Alberti seinem Grund-satz stets treu blieb, daß ein Architekt nur Zeichner, nicht Ausführer seiner Werke seindürfe und daher immer nur die Pläne entworfen hat, so ist eine ganz gesicherte Be-stimmung seiner Werke schwierig. Immerhin sind wir wohl berechtigt, diese Villa mitihrem Garten als ein Kind seines Geistes anzusehen. Giovanni Rucellais Bild steht unsin der Büste des Kaiser-Friedrich-Museums vor Augen: Ein kluger, etwas versonnenerKopf mit einem seltsamen Gemisch von Güte und Energie. Eine unfreiwillige Muße,die die Pest von 1459 ihm auferlegte, hatte ihn zum Beginn eines Tagebüchleins ge-drängt. In diesem Büchlein, dasein bißchen von allem enthält" 7 , wichtige Familien-ereignisse und merkantilische Notizen, philosophische und moralische Betrachtungenund Poesien, schildert uns der Herr von Quaracchi auchalle schönen und angenehmenTeile seines Gartens" 8 . Nicht ganz leicht ist es, sich aus der Fülle dieser Aufzählungenein Bild des Lageplanes zu machen. Den Haupteindruck bestimmen die Pergolen, vondenen drei den Hauptgarten durchziehen, der hundert Ellen (braccia) lang ist. Sie ver-leihen den Wegen den nötigen Schatten, sind teils wie über der Hauptallee tonnenförmigaus immergrünen Eichen geschnitten, teils spitz aus Haselnuß; die offenen W r ege sind zubeiden Seiten von Lattenwerk begleitet, an denen edler Wein sich emporrankt, da-zwischen weiße Rosenstöcke,die zur Zeit der Blüte so herrlich sind, daß die Feder dieBefriedigung nie geben kann, die das Auge beim Schauen empfängt". Die mittlere Haupt-pergola geht vom Haupttor des Hauses aus, über dem eine kleine Loggia sich befindet 9 ;sie ist zu beiden Seiten von Nebenwegen begleitet, mit brusthohen breiten Spalierenvon Buchs, über denen in Kranzform (festa) die W T appen der Familie und aller Ver-schwägerten als Schmuck angebracht sind. Am Ende dieser Pergola ist eine zweiteTür, die in einen mit einem Mäuerchen umschlossenen Garten führt, in dem sich einekleine Wiese befindet; hier sind Terrakottavasen oder vielleicht auch Beete, mit Scherbenumgeben, in denen Damaszenerveilchen und Majoran und Basilikum und viele wohl-riechende Kräuter gepflanzt sind. Außerdem aber befinden sich hier Buchshecken invielerlei Gestalt, von denen noch weiter die Rede sein soll, besonders ein runder, stufen-förmiger Buchs, wie er der besondere Stolz der Gärten jener Zeit war. In der gleichenAchse der Hauptpergola führt auf der anderen Seite diesesprocinto" eine schnur-gerade Allee von hohen Bäumen, zwischen denen sich wilder Wein rankte, 160 Ellenlang zum Arno hinab. Von dem Hauptsaale des Hauses herab konnte der Hausherr,wenn er bei Tische saß, die vorübergleitenden Barken sehen. Das Haus, dessen ebeneund gesunde Lage hervorgehoben wird, mußte also, wie der Theoretiker Alberti es