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Leon Battista Alberti — Die Frührenaissance-Villa
7. KAP.
Linien streng wahren muß, um nicht dem Werke die geziemende Harmonie der ein-zelnen Glieder zu unterschlagen", lacht sie der Ankunft des Gastes entgegen. Aufsanften Wegen soll er zu der Höhe des Hauses emporsteigen, ohne es zu merken, unddoch von dem Ausblick oben überrascht werden. Der Eingetretene soll zögern, ober verweilen oder der weiter lockenden Pracht und Abwechslung folgen soll. Und ingleicher Heiterkeit strahlt der Garten umher; alles was melancholisch machen könnte,muß vermieden werden, die dunklen Schatten haben sich im Hintergrunde zu halten.Den notwendigen Schutz vor Strahlen der Sonne gewähren die Portikus und die Per-gola an den Seitenwegen, wie auch die kühlen Tuffsteingrotten, die er nach „Weiseder Alten" angebracht haben will. Er lobt auch die Sitte der Alten, Gewächse inverzierten Kübeln aufzustellen, auch jenen anderen Gebrauch, den Namenszug derHerren in Buchs auf die Beete zu schreiben. Von Buchs aber und anderen immer-grünen Gewächsen sollen alle Wege eingefaßt werden, helle und klare Wässerleinsollen den Garten durchziehen und überall unerwartet aufsprudeln. Die Quelle aberwill er in eine Grotte mit farbigem Muschelwerk gefaßt haben. Die Zypresse, mit Efeuumschlungen, darf im Ziergarten nicht fehlen, während Fruchtbäume, ja selbst Eichen,wohl besser in den Nutzgarten zu verbannen seien. Komische Gartenstatuen sind zudulden, doch warnt er vor den obszönen. Kreise und Halbkreise, welche in den Höfender Gebäude als schön empfunden werden, verlangt er auch im Garten angelegt; mitLorbeer, Zitronen und Taxus, die ihre Zweige ineinander flechten, will er diese An-lagen umgeben haben 3 . Wer sähe hier nicht, wie stark Alberti von der Schilderungder beiden Villen des Plinius abhängt! Fast jede der einzelnen Forderungen könnenwir mit einer Stelle des antiken Schriftstellers belegen. Ja, der Eifer der Nachahmunggeht so weit, daß sie Alberti zu gedankenloser Übernahme verführt: Wenn Plinius fürsein Laurentinum angibt, daß er den Buchs zur Einfassung der Wege nur da benutzt,wo er geschützt von Häusern steht, ihn aber überall durch Rosmarin ersetzt, wo erdem Meerwinde und dem versprühenden Schaum ausgesetzt sei, weil er dann verdorreund einginge, so hatte er dazu allen Grund, denn sein Laurentinum lag hart am Meere.Wenn aber Alberti für die Einfassung der Wege immergrüne Pflanzen empfiehlt undauch meint, den Buchs besser nur dort zu pflanzen, wo er im Schutze der Mauernnicht dem Winde und dem Meeresschaum ausgesetzt ist, so klingt diese Vorschriftetwas sonderbar, da er doch in erster Linie an seine binnenländischen FlorentinerVillen denkt 4 .
Trotz dieser engen Anlehnung an sein Vorbild ist doch der Charakter ein ganz anderergeworden. Wenn Alberti auch im Garten dem klar entworfenen Hause gegenübernoch etwas unsicher erscheint, so sind doch beide schon als ein zusammengehörigesGanzes gedacht. Dieselben Kreise und Halbkreise, die in den Höfen gefallen, sollen inden Gärten wiederholt werden, verlangt er ausdrücklich. Der Garten ist die Einleitungzum Hause, an dessen Schwelle beide zugleich locken, darum muß auch der ersteredie leichte, freie Heiterkeit der jungen Renaissance zeigen, die die dunklen Schattenhöchstens als Hintergrund dulden will, entgegen der schweren Pracht und demwuchtigen Ernste, den das spätere Altertum liebt, das sich auf seinen Landsitzenschon von so vielen Lasten, die es drückten, befreien wollte. Noch sind die Tage fern, indenen die italienischen Gärten mit der Ausdehnung und Kostbarkeit der antiken zuwetteifern suchen.