6. KAP.
Bruderschaftsgärten — Villani über Florenz
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Name und Anlage noch lebendige Beispiele solcher mittelalterlicher städtischer Volks-belustigungsplätze erhalten. Der älteste öffentliche Garten in Paris lag im Gebiete vonSaint-Germain de Pres und führte den Namen Le Pres aux Clercs. Dort versammeltesich früh die reiche bürgerliche Gesellschaft 83 .
Sehr viel zur Entwicklung der Volksgärten trugen damals die Gründungen derBruderschaften zu geistlichen und weltlichen Zwecken bei. Diese Bruderschaftenwaren höchst beliebt bei Fürsten, Geistlichkeit und Laienschaft und wurden reichlichmit Schenkungen bedacht. Eine Florentiner Urkunde von 1208 erzählt von einer Schen-kung von drei Landstücken, „nel corte di Ganglandi a poveri", von da ab wiederholensich solche Schenkungsurkunden sehr häufig 84 . Wenn es sich auch hier wohl meist umNutzland handelt, dessen Erträgnisse den Armen gewidmet waren, so wird doch durchdie Bruderschaften der Bogenschützen in Nordfrankreich und Belgien eine eigentüm-liche Entwicklung der Gartenkunst begünstigt. Diese Bruderschaften hatten halb mili-tärischen, halb religiösen Charakter. Ihr Schutzpatron war der heilige Sebastian; be-greiflicherweise wurden sie von der Obrigkeit, denen sie gute Schützen ausbildeten,sehr begünstigt und reichlich mit Privilegien versehen. Sie erbauten sich prächtigeVereinshäuser mit großen Gärten, in denen sie ihre Schießstände hatten, und wo sich baldauch die übrigen Bürger zu Erholung und Schaulust zusammenfanden. In Boulognehieß eine solche Anlage mit Schießständen der Bruderschaften „Courtiis aux pauvres"mit ganz ähnlichem Ausdruck wie die oben erwähnte Schenkungsurkunde in Florenz,und hier muß man darunter durchaus einen Volksgarten verstehen 85 . In diesen warenneben Schießplätzen auch andere Spielplätze, besonders für das Ballspiel, eingerichtet,das sich im XV. Jahrhundert hauptsächlich in England ausbildete; von dort verbreitetees sich alsLawntennis, Fußball und Croquet überall auf den Kontinent und wurde mitdem größeren Umfang der Gärten auch in den Privatgärten auf bestimmten, dafür ein-gerichteten Bahnen und Plätzen geübt.
Wenn im XIII. Jahrhundert noch nicht sehr von einem starken Überwiegen der Kul-tur einer Nation der westeuropäischen Länder über die andere die Rede sein darf, soübernimmt von dem nächsten an Italien immer deutlicher sichtbar die Führerschaft,und auch in der Gartenentfaltung werden wir von diesem Jahrhundert an die Quelle derneuen Anregung in Italien suchen müssen. Die Städte beginnen sich in ihrer politischenund geistigen Eigenart immer stärker auszubilden; unter diesen blüht insbesondereFlorenz wunderbar schnell auf, und als der Chronist Villani, angefeuert von demGlänze des Jubiläumsjahres 1300, das um den Papst die Völker der christlichenErde in Rom versammelte, beschloß, die Geschichte seiner Stadt zu schreiben und siebis zur Gegenwart durchzuführen, da tat er es in dem stolzen Bewußtsein, daß seineVaterstadt Florenz eine aufstrebende und Rom eine sinkende sei. Und in dem präch-tigen Bilde, das er von dem blühenden Wohlstande der Stadt entwirft, spielen die Land-häuser und Gärten keine geringe Rolle 86 : Kaum einen Bewohner habe es in Florenz ge-geben, er sei Bürger oder Adliger, der nicht in der Umgebung eine noch prächtigereBesitzung gehabt habe als in der Stadt selbst; allerdings, fügt er hinzu, habe man sieauch um der übermäßigen Ausgaben willen töricht schelten müssen. Hierdurch wäre dieUmgebung von Florenz so herrlich anzuschauen gewesen, daß ein Fremder, der, darannicht gewöhnt, von außen gekommen sei, die reichen Paläste, Türme, ummauertenGärten schon für die Stadt habe halten können.
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