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Liebesgärten
mauerter Steinbank (Abb. 144). Fast ein Jahrhundert später, um die Mitte des XV.Jahrhunderts, stellt einer der ältesten niederrheinischen Kupferstiche einen Liebesgartenhalb als freien Anger oder wohl einen blumigen Wiesenplan inmitten eines Baumgar-tens dar, durch den ein Bächlein fließt. Holzschranken dienen als Lehne den im GraseSitzenden. Das Prunkstück ist ein sechseckiger Tisch, auf dem Erfrischungen stehn(Abb. 145). Ein ähnlicher Tisch schmückt auch das liebliche Gärtlein, in dem dieHimmelskönigin auf einer Bank in ihr Buch vertieft sitzt (Abb. 146), neben ihr aufhohem, mit Holzschranken gehaltenem Beet blühen viel schöne Blumen, Lilien, Rosen
Abb. 145
Der große
Liebesgarten.
Kupferstich,
Meister der
Liebesgärten
und Iris; ihr Gesinde mit und ohne Engelsschwingen vergnügt sich im Garten, spielt mitdem auf blumiger Wiese sitzenden Jesuknäblein, bricht Früchte in geflochtene Körbe,schöpft aus marmornem Wassertrog oder pflegt weiser Gespräche. Eine hohe weißeZinnenmauer schützt die himmlische Gesellschaft vor unbefugten Blicken.
Eine weitere Frucht der regen Verbindung mit den östlichen Kulturvölkern war dasErwachen des wissenschaftlichen Triebes in der christlichen Welt. Das maurischeSpanien wurde damals den nördlichen Ländern vertraut, da es für Gelehrte Sittewurde, an den spanischen Universitäten Medizin und Mathematik zu studieren;zu der ersten gehörte aber vor allem eine gute Pflanzenkunde. Im XIII. Jahrhundert wagtes Albertus Magnus als erster in einem wissenschaftlichen Werke das Pflanzenreich zubehandeln, und diese Kenntnis, so sehr sie im einzelnen noch Irrtümer phantastischer Art