6. KAP.
Die Illustrationen
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alle Wege, gut und umschattet mit blühenden Zweigen, neu waren die Rasenbänke,und alle Pfade mit Sand bestreut" (Abb. 143). Diese Sitzplätze mußten oft erneuertwerden, da sie sich leicht abnutzten. Auch in dem entzückenden englischen Gedichtspät-Chaucerscher Zeit „Die Blume und das Blatt" wird eine Laube geschildert, diewie ein Zimmer war: Dach und Wände aus einer Hecke, dick wie eine Schloßmauer undganz gleichmäßig .glatt wie ein Brett" geschnitten, und darinnen die Bänke neu mitRasen belegt, der kurz und dick und frisch gestutzt war 71 .
Die eigentliche Gartenkunst haben diese traditionellen Schilderungen unmittelbarwenig fördern können, doch haben sie mittelbar eine nicht unbedeutende Wirkung
Abb. 144Liebesgartenaus Trionfodella Morte
Wandgemälde
im CampoSanto in Pisa
durch die Illustrationen ausgeübt. Die Maler konnten im ganzen nicht viel anfangenmit den allgemeinen unbestimmten Schilderungen der Werke, die sie mit ihren Mini-aturen schmücken wollten, sie konnten sich auch hinter die Ausflucht der Poeten, daßdie Schönheit ihres Gegenstandes über alle Worte herrlich sei, nicht verstecken, sonahmen sie denn wirkliche Gärten zu Vorbildern. Und diesen Miniaturen zum Rosen-roman, seinen Nachbildungen, und zu den Gebetbüchern, die im Norden noch das ganzeXV. Jahrhundert hindurch die Formen des Mittelalters festhielten, verdanken wir diebeste Anschauung des Gartens dieser Zeit. Den Liebesvisionen der Dichtung entsprechendie Liebesgärten der Maler, die, ohne direkte Illustrationen jener zu sein, auch denGartenhintergrund für Liebesszenen und heitere Geselligkeit darstellen. Auf OrcagnasTrionfo della Morte im Campo Santo zu Pisa sitzen die Herren und Damen, derenderber Lebensfreude der Tod so nahe ist, im Schatten lieblicher Bäume auf schön ge-