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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Garten bei den mittelalterlichen Dichtern

6. KAP.

Abb. 143

Hausgärtchen

mit Rasenbank

Gemälde vonDierk Bouts

i

kann. Eichkätzchen klettern in den Bäumen und spielen auf dem dichten Rasen.Helle Bächlein und Brunnen, in denen keine Frösche sind, rinnen hindurch, die Ufersind mit besonders lichtem Grase und schönen Blumen geziert. Die einzelnen Wen-dungen bleiben typisch, wie wir sie längst aus früheren Schilderungen kennen, es seidenn, daß einmal die Wehrgänge des gefährlichen Turmes mit Rosenhecken bepflanzt

sind (Abb. 142). Wenn derDichter nicht mehr weiterkann, so sucht er den Ein-druck ins Ungemessene zusteigern, indem er einge-steht, daß ihm die Wortefür die paradiesische Schön-heit fehlen. Um dann dieSchilderung nicht zu magererscheinen zu lassen, borgter sich wieder einen an-tiken Kunstgriff und zähltunendliche Reihen vonBäumen und Blumen auf.Schon Vergil 64 und nachihm Ovid 65 bringen solchegroße Reihen von Bäumen,das spätere Altertum aberhat eine wahre Leiden-schaft dafür: Seneca, Lu-can, Statius, Claudian 66 ,alle nehmen mit wenigenÄnderungen solche Pflan-zenlisten auf und zeigendeutlich den Weg, wo Lorrisden Faden wieder anspinntund ihn weitergibt 67 . Wennwir also einen Gartenkennen, so finden wir unsin allen zurecht, seien esdie französischen Nach-ahmungen oder die engli-schen, in denen der Rosenroman am tiefsten gewirkt hat, die von ihnen sprechen.Daß Chaucer im Rosenroman ebenso wie Lydgate im Liebesschachspiel, das einerÜbersetzung gleichkommt, den Garten wörtlich übersetzt, versteht sich von selbst 68 .Doch wenn Chaucer im Vogelparlamentden herrlichen Garten" betritt, so beginnter mit der üblichen Baumliste 69 , unbekümmert darum, ob Englands Boden solcheBäume trägt, und in den typischen W'endungen entwickelt sich das Bild. Trotzdemkommen in diese traditionellen Schilderungen einzelne, selbständig beobachtete Zügehinein. So heißt es inTroylus und Criseyde" 70 :Groß war der Garten und umzäunt