6. KAP.
Rosenroman
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abenteuer dieses Ich-Traum-Ro-manes bestehen, Allegorien sindund nur als personifizierte Seelen-kräfte anzusehen sind, sondern daßauch die einzelnen Teile des Gar-tens eine allegorische Deutung ver-langen. Die Schilderung selbst hältsich in rein traditionellen, aberrealistischen Formen, und ob wireine der späteren antiken Schilde-rungen lesen, ob diese früheste ineiner Vulgärsprache, das typischeBild bleibt das gleiche: den Mit-telpunkt bildet mit Notwendig-keit der Brunnen, der kristallhellist und der die silbernen Kieseldurch ein immer frisches Wasserschimmern läßt. Bei Lorris soll einbedeutungsvoller Zauberbrunnengeschildert werden (Abb. 141),
darum leuchten hier auf seinem Grunde zwei Kristalle, die bei Sonnenuntergang inallen Regenbogenfarben glänzen. Bei Eustathius war es einst die Buntheit der Marmor-arten der Säule, die sich im Wasser spiegelten. Lorris macht einen der Kristalle zu einemWunderspiegel, so daß man in ihm die Hälfte des Gartens schaute, und wenn man auf-blickte, sein Gegenbild ringsumher. Achilles Tatius schilderte einst, weit realistischer,den Wasserspiegel des viereckigenBassins so hell, daß man in ihmden doppelten Garten zu sehenglaubte. Unbeschadet solcher deu-tungsvoller Zauberzüge sieht Lor-ris sonst doch ganz realistisch.Mag die Mauer auch mit allegori-schen Bildern bemalt sein, sie istdoch eine wirkliche Gartenmauermit einem kleinen Eingangspfört-chen, sie umschließt einen Garten,der genau viereckig ist, herrlicheBäume schauen über die Mauer,auf denen Vögel einen wundersüßenGesang ertönen lassen. Die Bäumestehen in genau gleicher Ent-fernung voneinander, sie sindhoch gewachsen, und ihre Wipfelflechten sich oben ineinander, sodaß kein Sonnenstrahl hindurch
Abb. 141Wasserbassinmit Kanal,ans Romande la Rose.Vläm. Ms.Brit. Mus.
Phot.
Abb. 142Rosenhecke umdas Wasser-schloß, aus Ro-man de la Rose.Vläm. Ms.Brit. Mus.
Phot.