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Rosenroman
6. KAP.
Abb. 140
Bad im
Schloßgärtlein.
Aus Horae
Mariae
Virginis.
Brit. Mus.
,'
Phot
bärde mit einer Hand machten, in der anderen eine Posaune hielten. Wer könntehier die arabischen Vorbilder verkennen! Als man in der mittelalterlichen Dich-tung einmal mit dieser künstlichen Musik begonnen hatte, ließ man alles erklingen,bald Reben 60 , bald Vögel, die sich, wie in Laurins Rosengarten, sogar in den Helm-schmuck großer Zauberer verirrten 61 . Auch die Löwen vom byzantinischen Kaiser-thron ließen ihr Gebrüll im deutschen Dichterwalde ertönen, so in Heinrichs vondem Türlin „Krone" 62 . Anderen Schmuck aus den arabischen Gärten bringt Laurin
in seinem Rosengarten an, w r enner seine Rosen mit Edelsteinenkränzt, die aus dem grünen Laubhervorlugen. Das war alles nurZauberschmuck, der sich wohl inwirkliche Gärten des Abendlandeskaum verirrt haben wird; dagegenwurden kostbare Badebassins inden Gärten, die wir jetzt auf denBildern sehr häufig sehen (Abb.13g), durch orientalischen Einflußbegünstigt. Den Damen wurde eszu einem Bedürfnis, vor der Mal-zeit sich durch ein Fußbad zu er-frischen (Abb. 140).
In der ersten Hälfte des XIII.Jahrhunderts erhielt in Frankreichdie Gartenschilderung in der Dich-tung einen neuen Impuls durchden Rosenroman des Guillaumede Lorris 63 . Er gab damit demspäteren Mittelalter seine Formdes Liebesromans. Der Schauplatzaller eigentlichen Liebesszenen istder Garten, ebenso wie er es vordemim griechischen Roman gewesen.Und wenn wir bedenken, wie starkder Austausch der byzantinischenund abendländischen Literatur in jener Zeit war, wenn wir uns erinnern, wie der byzar-tinische Roman seine Stoffe den abendländischen Heldensagen entnahm und sie insein Gewand kleidete, so ist es mehr als wahrscheinlich, daß umgekehrt das Abend-land jetzt den Schauplatz für seine Liebesromane, den traditionellen Garten, sich ausdem Osten holte.
Schon vor Lorris spielen einige lateinische und französische Liebesstreitgedichte imGarten, aber erst im Rosenroman wird die Tradition in der Schilderung wieder so festund körperhaft, daß die vielen Nachfolger kaum eine Änderung in einzelnen Zügen ver-sucht haben. Es macht für unseren Garten wenig aus, daß, der Tendenz der abendlän-dischen Poesie dieser Zeit entsprechend, nicht nur die einzelnen Gestalten, die die Liebes-