zur Weiterverbreitung empfahl. Die Gesandtschaften nach dem byzantinischen Hofwurden von nun an sehr häufig. Im J ahre 968 sah der Bischof Luidprand von Cremona denKaiserpalast von Konsfantinopel und gibt j ene schon erwähnte ausführliche Schilderungdes Thrones mit dem goldenen Baum und den singenden Vögeln, die später im Abendlandim XIII. Jahrhundert den tiefsten Eindruck auf die Dichtung machte 56 . Im Jahre 1167erhielt die erste deutsche Gesandtschaft eine Audienz beim Sultan in Bagdad. Die Ge-sandten waren nur traurig, daß man sie zu schnell durch all die Herrlichkeit hindurch-führte. Aber doch sahen sie diesäulenumstandenen offenen Höfe,deren Wände mit Schnitzwerk ge-ziert waren, und die goldenen Gir-landen, die dazwischen herabhin-gen, bewunderten sie das köstlicheMosaik der Fußböden, die plät-schernden Springbrunnen, die inkristallklare Becken herabfielen,sahen sie die Tierkäfige mit denfremden, seltsamen Tieren, diewunderbaren Vögel mit herrlichemGefieder 57 . Mehr als alles mußteFriedrich II. Regierung von Süd-italien aus auch nach Deutschlandden morgenländischen Einflußtragen. Wenn wir hören, daß erin Nürnberg auf den Zinnen seinerHofburg sich hängende Gärtenanlegte und auch einen Park er-baute, der 1494 zerstört wurde,so verrät sich deutlich orienta-lischer Einfluß. Friedrich wardurchaus ein Förderer der Garten-kultur, die er sehr liebte, er hieltseine Prokuratoren und Amts-räte, die er über seine Krongüter
setzte, dazu an, den Garten und die Schlösser zu beaufsichtigen und die Pflanzen,die er durch seine sarazenischen und spanischen Verbindungen erhielt, dort zukultivieren 58 .
Nichts scheint zu jener Zeit die Phantasie der Dichter so angeregt zu haben, wie der Be-richt von dem goldenen Baume, dessen Spuren wir im asiatischen Garten schon so oft be-gegnet sind. Im „Wolfdietrich" ist eine ausführliche Schilderung dieses Baumes, der aberjetzt zu einer Linde geworden ist, die goldne Edelsteine schmückten: Vögel sitzen auf denAsten, und genau wird berichtet, wie ,,wol durch den stam auff gingen zwelf roren rotguldin, die gaben süße stimmen vil manchen vogelin, daran zween plasbelg waren, ge-macht mit ganzem flis" 59 . Im Titurel ist die Gralsburg von solch einem goldenen Baummit singenden Vögeln geschmückt, zur Seite standen vier goldene Engel, die eine Ge-
Abb. 139Sitsannaim Bade.Aus einemTeppich imSouth-Kensino-ton Museum
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