6. KAP.
Laube — Labyrinth
in einem Reif gebogen,
doch höher als ein Mann gezogen.
Unter demselben Dorn
war Edelkraut und schönes Gras 46 .
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Aus festerem Material waren andere Lauben gezimmert, richtige Sommerhäuser, wiesie auch das Altertum kannte, so daß man darin, wie in dem kleinen Sommerhausim Hippodrom des Plinius, essen und schlafen konnte. So ähnlich dachte sich derDichter auch die Laube, wo sich das Abenteuer in „Die Nachtigall" abspielte. Sielag an Blumen und Rasen im Garten unter schattenreichen Bäumen. Dieser Gar-ten, zu dem das oben erwähnte „enge Türlein" führt, lag vor dem Hause des Ritters,„wo die Luft besser und reiner war als anderswo", dort
„hat der Wirt auch davor
gebaut ein Lauben hoch empor,
die war gemacht darum,
daß der Wirt immer saß,
in dem Sommer, wenn er aß,
ihm deucht ihm bekam die Speise baß" 47 .
Das Mahl im Freien war allgemein geliebt (Abb. 137). Das Mägdleinaber, des Ritters Töchterlein, empfing in der Laube zur Nacht den Ge-liebten, so daß auch ein Schlafgemach anzunehmen ist. Eine feste,wenn auch offene Laube, die als eine luftige Studierstube eingerichtetist, zeigt das Brüsseler Bild. Der Gelehrte konnte zur Erholung vonhier auf wenigen Stufen in den Vorgarten hinabsteigen und sich zuweiterer Meditation auf einem zierlichen Steinschemel niederlassen(Abb. 138).
Neben der Laube scheint sehr früh eine andere dem Versteck undheimlicher Fröhlichkeit geweihte Anlage im mittelalterlichen Gartenaufzutreten, das ist der Irrgarten, das sogenannte Labyrinth. Wannes zuerst im Garten Eingang gefunden, wissen wir nicht. Der Nameknüpft an den Palast des Minos auf Kreta an, aus dessen vielenZimmern man sich, der Sage nach, ohne Führer niemals herausfand;so brauchte ihn das Altertum sprichwörtlich. Die Vorstellung, diees sich davon machte, war eine Figur, die als Kreis oder Sechseckgebildet war, in dem vielfach verschlungene Linien nach einem Mittel-punkt und von diesem wieder zur Peripherie führten. In Pompejiz. B. findet sich auf einerMauer eine solche Zeichnung,die die Unterschrift trägt,,hic habitat Minotaurus".Im frühesten Mittelalter ver-wandte man die gleiche Fi-gur in den christlichen Basi-liken als ein symbolischesZeichen. Auf den Fußböden
Abb. 135Maibaum.Aus Heuresd''Anne deBretagne
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P Gliche de laBibl. d'Art etd'Archäologie
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