190
Gartenpflege in den Kartäuserklöstern
6. KAP.
Eine besondere Förderung der mönchischen Gartenpflege bedeutete die Gründungder Kartäuserklöster. Im Prinzip gingen diese auf den Gedanken der orientalischenKlöster zurück: man wollte in der Konzentration des Einsiedlerlebens die beste Er-ziehung und würdigste Vorbereitung der Seele für das Jenseits finden. Darum wurdedas Zusammenleben der Mönche auch in ihren Wohnungen aufs äußerste beschränkt.Zwar ein zentraler Kreuzgang behielt seine Bedeutung als gemeinsamer Garten, aberum ihn gruppierten sich Einzelzellenwohnungen, deren jeder einGärtlein zu besondererPflege und Erholung ihrer Anwohner zugefügt war. Ein Musterstück einer Kartäuser-anlage zeigt der Plan des Klosters von Clermont 33 . Welche Fülle von Gartenmotivenfinden wir auf diesem einfachen Plan. Gleich in dem großen Eingangshof, der rings vonGastwohnungen und Wirtschaftsräumen umgeben ist, ist in der Mitte ein Teil erhöht,es ist die Abtwohnung mit einem Gärtchen daneben, in dessen Mitte ein Brunnenfließt. Westlich davon ist ein Turm als Taubenschlag errichtet. Von dem großen Kreuz-gang ist der westliche Teil als Kirchhof abgezweigt, der übrige als Garten an-gelegt, und ringsum liegen ganz regelmäßig die Einzelzellen Wohnungen der Mönche,südöstlich umschließen sie die kleinen Privatgärtlein. Ganz hat sich auch die Certosaim Val di Erna bei Florenz ihr mittelalterliches Aussehen erhalten. Aus den kleinenGärtchen neben den Zellen, die den großen Gartenhof gleich Zinnen umgeben, genossendie Mönche die wundervolle Aussicht. Und jedem Beschauer wird sich der Hof desheutigen Thermenmuseums in Rom mit den kleinen umherliegenden verschwiegenenZellengärtchen tief eingeprägt haben (Abb. 127); wenn er auch die architektonischeVerkleidung erst durch Michelangelo erhalten, ist die Gartenverteilung doch diegleiche geblieben. Es ist klar, daß gerade bei dieser persönlichen Anregung der Mönchezuerst die Blumenzucht und mit ihr auch die Gartenkunst auf das schönste gefördertwurde.
Wenn wir die Klosterpläne der ersten Hälfte des Mittelalters mit den Laien-wohnungen, besonders denen des Adels in seinen festen Schlössern vergleichen, soempfinden wir den Unterschied der Großräumigkeit der architektonischen undgärtnerischen Anlagen innerhalb der oft recht weit gezogenen Klostermauern vonden eng aneinander und übereinander geschmiegten Gebäuden, die die festenHäuser der Ritter bildeten. Wir haben die Entwicklung der antiken Villa zur festenBurg schon zu Sidonius' Zeiten verfolgt. Es war noch ein prächtiges Bild, dessenüppigen Reichtum die Notwendigkeit der Wehrhaftigkeit noch nicht zerstört hatte.Und noch 100 Jahre später weht durch Fortunatus' Gedichte manches von antikerFest- und Gartenfreude. Nicht nur in den vornehmen Klöstern liebte man, wie schonerwähnt, Rosen- und Blumengärten, auch die gallischen Könige waren noch bedacht,sich schöne Gärten anzulegen. Ultrogote, König Childebert I. Gemahlin, wurde um derRosengärten, die sie bei ihrem Palast anlegte, gerühmt, und der Garten bei dem altenKönigsschloß in Saint-Germain genoß großen Ruf. Aber in den Stürmen der folgendenJahrhunderte hat auch der üppige gallische Adel sich manche Verrohung der Sittenund Gewohnheiten gefallen lassen müssen. Überall zwang die Unruhe und Unsicherheitder Zeiten die Ritter, ihre Burgen immer enger und fester in sich zusammenzuziehen.Von der reichen, vielgestaltigen Anlage des burgus in der Zeit des Sidonius bleiben nunmehrnur die wehrhaften Teile der Mauern mit den Türmen des Bergfrieds, des festen Hausesmit seinen Dependancen der Wirtschaftsgebäude um die inneren Höfe. Auf schwer zu-