6. KAP.
Klosterplan von St. Gallen
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aler Musterplan zugesandt 18 . Der ganze Riß, der hier wirklich „alles Notwendige" mitseiner Mauer umschließt, zerfällt in drei Hauptteile: die Kirche mit den Regularen-Gebäuden im Zentrum, nordöstlich davon die Schulen, Spitäler und Gasthäuser, süd-westlich die Ställe und Wirtschaftsgebäude. Nicht nur das eigentliche Haus der Mönchemit der Kirche, sondern fast sämtliche anderen Gebäude gruppieren sich um einenzentralen Raum, der ein von Portikus umgebener freierHof ist. Der Kreuzgang der Mönchehat vier Tore, von denen aus Wege das regelmäßige Viereck durchschneiden. Im Zentrumist in einem kleinen Kreise das Wort „savina" zu lesen, vielleicht ein Säben-Baum,von Gras und Blumen umgeben; auch die vier ausgesparten Felder werden mit Blumen-anlagen verziert gewesen sein, was vielleicht durch das feine Ornament angedeutetwird. Da aber auffallenderweise in diesem so ausführlich disponierten Plan jedeBewässerungsangabe fehlt, könnte natürlich auch ein Mosaikpflaster gemeint sein.Natürlich muß für eine solche Anlage reichlich Wasser vorhanden sein; auch derStifter hatte Wasser unter die notwendigen Dinge aufgenommen, darum können dieBrunnen hier nur ausgelassen sein, vielleicht, um sie bei der Ausführung den indivi-duellen Terrainverhältnissen anzupassen. Ähnliche Peristyle wie das Claustrum zeigenauch noch Schule und Spital, während andere Gebäude, wie das Fremdenhospiz, dieäußere Schule u. a., ein gedecktes Atrium als Zentralraum anzudeuten scheinen. Wennwir über die Bepflanzung der Peristyle wenig erfahren, so ist der Zeichner um so aus-führlicher bei den eigentlichen Gärten, die er um Schule und Spital gruppiert hat.Südlich vom Spital liegt die Arztwohnung, so eingerichtet, daß man auch Schwer-kranke dort unterbringen konnte. Nach Westen zu ist der Arzneigarten davor gelegt,ein kleines Viereck, das in 16 regelmäßige Beete eingeteilt ist. Die Anlage war vielleichtrömische Tradition, doch entspricht die Regelmäßigkeit der viereckigen Beeterhöhun-gen dem immer gleichen Bedürfnis der Bewirtschaftung 1811 . Auch späteren mittelalter-lichen Dichtern erschien ein solcher Garten wie ein Schachbrett „geschachzabeltund gefiert" 19 , ganz konsequent hat sich dann aus dieser Beeteinteilung das Parterreentwickelt. Die Arzneikräuter, die in unserm Klostergarten wachsen, sind genau durchInschriften bestimmt: vornan Rosen und Lilien, weiterhin Salbei, Gladiolen, Rosmarinund andere Kräuter, lustig anzuschauen und süß duftend. So muß dieses Gärtlein nichtnur den Kranken heilsame Säfte geliefert haben, sondern auch den Genesenden einlieblicher Anblick gewesen sein. In diesen Arzneigärten liegt deutlich derKeim aller späte-ren eigentlichen Blumengärten, was in dem Bewußtsein der Menschen so fest wur-zelte, daß bis tief in die hoch entwickelte Gartenkunst der Renaissance hinein derBlumengarten immer noch Arzneikräutergarten heißt. Nördlich vom Spital liegt derFriedhof, der dem praktischen Sinn der Mönche zufolge zugleich ein regelmäßig ge-pflanzter Baum- und Obstgarten ist. Den Mittelpunkt bildet ein liegendes Kreuz, daswir uns in buntem Mosaik ausgelegt denken können. Zwischen den Baumpflanzungensind, auch wieder ganz regelmäßig verteilt, die Grabstätten für die Mönche angegeben.Die Bäume selbst sind mit Plan und Überlegung verteilt, allerdings ist der Zeichnernicht auch zugleich ein großer Botaniker gewesen; er hat es sich hier leicht gemachtund die Baumarten einfach aus Karls des Großen Capitulare de villis abgeschrieben,ohne Rücksicht darauf, ob wohl alle die Obstsorten, die er eingezeichnet, auch in derGegend von St. Gallen fortkommen könnten. Von der Feige ist das wohl zu bezweifeln,auch Lorbeer und Pinie werden den Friedhof jener Gegend nicht geziert haben. Für