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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Klosterplan von St. Gallen Blumenliebe in den Klöstern

6. KAP.

uns wichtig ist, daß der Architekt eine gewisse Zierlichkeit, ja Architektonik der An-lage beabsichtigt hat, die im Arzneigarten, wie auch im Gemüsegarten, der nörd-lich vom Friedhof liegt, fehlt. Der Gemüsegarten ist ähnlich, nur weit größer als derArzneigarten. Auf 18 regelmäßigen, zu einem Rechteck zusammengeschlossenen Beetengrünen die schön wachsenden Gemüse", wie die Umschrift lautet. Auch die hier an-geführten Gemüse sind aus dem Capitulare abgeschrieben. Die Besorgung dieses Ge-müsegartens war für die Mönche, deren Nahrung hauptsächlich vegetabilisch seinsollte, ein Gegenstand von großer Wichtigkeit, darum ist dem Gärtner und seinen Ge-hilfen ein geräumiges Haus bestimmt, das vor dem Garten steht. Wieder nördlich vondem Gemüsegarten ist das Geflügel untergebracht, in zwei kreisrunden Vogelhäusern,deren Anlage noch entfernt an die Vogelhäuser des Varro erinnert. In der Mitte beiderliegt wieder ein Wohnhaus für den Geflügelzüchter.

Eine besondere Eigentümlichkeit zeigt die Gestaltung des Paradieses: zu beiden Seitender Kirche ist ein halbkreisförmiger unbedachter Raum als Paradies bezeichnet. Obals Garten gedacht, ist aus der Zeichnung nicht zu ersehen. Merkwürdigerweise istauf dem Plan neben der schönen Abtwohnung, dem einzigen nicht zentral gruppier-ten Bau, vor dem zwei Veranden liegen, nur äußerst wenig Raum vorgesehen,um einen Garten, an den der Baumeister wohl nicht gedacht hat, anzulegen. Der Abtaber hatte, wie später gezeigt wird, schon damals meist einen besonderen Garten,und die gartenliebenden Äbte von St. Gallen werden darauf auch nicht verzichtethaben. Wir müssen aber im Auge behalten, daß wir hier nicht ein wirklich gebautestergar historisches, durch Um- und Erweiterungsbauten gewordenes Kloster vor uns haben,sondern einen schön erdachten und sauber ausgeführten Musterplan. In wirküchenKlöstern ist die recht stattliche Anzahl der Gärten unseres Planes häufig noch weitübertroffen, anderseits hat, besonders in Gegenden und Zeiten, wo die antike Traditionsich auch im Klosterleben noch stärker erhalten hat, die Blumenliebe gewiß größereGärten für diese Zucht erfordert, als sie der St. Gallener Plan zubilligt. Wenn auchdie Pflanze als Heilkraut lange den eigentlichen Blumengarten beherrscht hat, sohatte doch gerade die Kirche früher dafür gesorgt, daß bestimmte Blumen, zuerstRosen und Lilien, später auch das Veilchen, eine symbolische Bedeutung erhielten.Rose und Lilie, von den ersten Christen als heidnische Blumen verabscheut, wurdenbald das Symbol Marias und der Lohn der Märtyrer 20 . Früh schon knüpft sich dann anFarbe und Duft der Blumen eine ausgebildete Symbolik. Welch eine Rolle spielen dieBlumen in den zarten Billets, die der Dichter VenantiusFortunatus seiner Freundin, derheiligen Radegunde, sendet. Die königliche Frau hatte bei Poitiers sich ein Kloster als Zu-fluchtsstätte vor dem wüsten Leben amMerowinger-Hofe, dem sie entflohen war, gegrün-det. In den poetischen Freundschaftsgrüßen spricht Fortunatus oft seinen Dank für aller-lei kulinarische Sendungen aus dem Kloster, die fast immer mit Blumen begleitet sind,aus. Ja einmal hat Radegunde ihn zum Mahle empfangen, wo das Tafeltuch mit einemBett von Rosenblättern beschüttet und die Schüsseln bekränzt waren 21 . Auch Gir-landen wurden an den Wänden der Speisezimmer noch ganz in antiker Weise aufge-hängt 22 . Wir finden hier im VI. Jahrhundert noch den Hauch antiker Lebenskunst,selbst in dem Verkehr der innerlich frommen Klosterfrau mit ihrem dem geistlichenStande angehörigen Dichterfreunde; zu solchem Blumenluxus gehörte sicherlichein großer Garten und kunstvolle Gartenpflege. Gewiß verblaßte mit den rauheren