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Alhambra
5. KAP.
mit goldenen Bildwerken geziert war; da sah man Löwen, Gazellen, Krokodile, Adler,Schlangen und eine Menge Vögel, aus deren Munde Wasser in das Becken strömte.Von Abdurrhaman wird ausdrücklich erwähnt, daß er byzantinische Werkmeisterkommen ließ. W T as Pracht und Ausschmückung seiner Gärten, Pavillons und Gemächeranbetrifft, so befand er sich gewiß in fortwährendem Wettstreit mit der orientali-schen Bautätigkeit, die damals in Bagdad in höchster Blüte stand. Doch drängtedie bergige Beschaffenheit Südspaniens die Araber weit stärker dazu, ihre Palästeund Lustschlösser auf der Höhe zu erbauen. Zweifellos wirkten hier noch direktrömische Vorbilder: wenn wir die sich auftürmenden Terrassen, die Aussicht, die dasLustschloß genießt, die Portikus, die Türme, die es schmücken, rühmen hören, so er-innert das unmittelbar an die Schilderungen eines Statius. Der große Wasserreichtum,der Höfe und Hallen durchrauscht, ist gewiß aus den Bedürfnissen des Orients ebensoherausgewachsen, wie ihn die Römer geliebt haben. Auch hier aber ist ein Bergterrainund Terrassenbau notwendig, damit das Wasser sich kaskadenförmig „wie die Milch-straße" herniedergießt. Andere Züge zeigen ihren morgenländischen Charakter deutlichgenug; so spielen in der Poesie die kleinen Pavillons, die das Wasser überragen und schim-mernd über den Fluten stehen, ein dem Asiaten unentbehrliches Schmuckstück 43seines Gartens, eine große Rolle. Dort versammeln sich die Freunde mit dem Haus-herrn, um sich am Weine zu erfreuen und sich in der hochgepriesenen Kunst des Im-provisierens von Versen zu üben.
Wunder werden von dem Pavillon des letzten Herrschers von Toledo berichtet. Er ließihn inmitten eines Teiches oder großen Bassins anlegen; durch eine kunstreicheMaschine wurde das W T asser so in die Höhe getrieben, daß es sich, niederfallend, nachallen Seiten um den Pavillon ergoß. So konnte der Kalif von Fluten rings umgebenim Kühlen, sogar bei Lampenschein sitzen. Auch in Favara in Sizilien sahen spätereReisende einen solchen Pavillon.
Spanien aber hat wenigstens ein kostbares Vermächtnis arabischer Schloßanlage be-wahrt : die Alhambra. So sehr durch Zerstörung, Vernachlässigung und Umbauten dasBild verdorben und übermalt erscheint, wirkt doch unbesieglich der Geist dieser unter-gegangenen Kultur lebendig fort, wenn es auch im Vergleich zu seiner einstigen Schön-heit nur noch ein Schatten ist. Die Anlage umschloß ursprünglich wie in Az-Zahraeine ganze Hofhaltung, der Park füllte wohl auch hier immer die unterste Terrasse,d. h. das schmale Tal zwischen dem eigentlichen Alhambrahügel und dem Monte Mauror,der auch heute noch Almadeo dela Alhambra, d. h. Alhambrapark heißt. Die Ulmen,deren Schönheit ihn heute beschattet, sind allerdings wenig über hundert Jahre alt.Erst Wellington soll sie dorthin gebracht haben. Der Tradition nach sollen aber hier dienaßridischen Königsgräber gelegen haben. Aufsteigend zogen sich nun Terrassengärtenzum eigentlichen Alhambrahügel empor. Spuren haben sich davon noch in dem „Jardinde los arcades" erhalten. Sonst hat sich an ihre Stelle der Renaissancepalast Karls V. mitseinem Aufgang und Brunnenschmuck gesetzt. Das große maurische Schloß erhebt sichauf dem breiten Bergrücken, ein Bild des alten Zustandes finden wir nur noch im Innernund in einigen Höfen: der sogenannte Myrtenhof (Abb. 108) läßt die ursprüngliche Anlagenoch klar erkennen, ein breites kanalartiges Bassin durchschneidet fast die ganze Längedes rings von Arkaden umgebenen Hofes. An den Schmalseiten endigt es je in einemSpringbrunnen; zu beiden Seiten sind heute dichte Myrtenhecken gepflanzt, ursprüng-
ii Gothei