5. KAP.
Kordova — Az-Zahra
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Durch manche neuen Züge wird das Bild des arabischen Gartens belebt, wenn wirden Arabern nach ihren Reichen im Occident folgen. Die Poesie freilich, die so viel undunaufhörlich von Gärten spricht, liefert uns kaum etwas Neues. Sie drückt in ersterLinie nur die Empfindungen aus, die die Herrlichkeit der Gärten in dem Sänger er-wecken, die Gedichte sind zum großen Teil bestimmt, den Ruhm des Besitzers zu ver-künden. Nicht selten wurden sie in den Hallen und Zimmern als Schmuck und Zierdeaufgehängt. Noch heute finden wir in den Spruchbändern der Alhambra solche Lob-gedichte. Nach Europa kamen die Araber nicht mehr nur als Lernende, hier brachtensie schon eine eigene erworbene Kultur mit, und doch fanden sie auch hier ein reichesErbe der Römer und Westgoten. Der Begründer des Omajadenreiches in Spanien,Abdurrhaman L, suchte begreiflicherweise seine neue Residenz Kordova möglichstnach morgenländischer Weise zu schmücken. Eine Villa, die er nach dem Vorbilde einersolchen in Damaskus anlegte und Bussafa nannte, versuchte er sich so heimatlich wiemöglich zu gestalten, indem er syrische Pflanzen in seine Gärten einführte, vor allem diegeliebte Palme, die bis dahin im Westen ein Fremdling wie der vertriebene Herrscherselbst war. In einem schwermutvollen Gedichte an den geliebten Baum spricht er seinsehnendes Heimweh aus:
Du, o Palme, bist ein FremdlingSo wie ich in diesem Lande,Bist ein Fremdling hier im WestenFern von deiner Heimat Strande 40,1 .
Eine verhältnismäßig ruhige Friedenszeit dieser ersten Omajadenherrschaft ließ Kor-dova und das ganze arabische südspanische Reich aufblühen. Unter Abdurrhaman III.sind die Ufer des Guadalquivir mit Villen ganz überdeckt. Eine Baugesinnung,wie sie später der italienischen Renaissance eigen ist, spricht dieser Herrscher in seinenGedichten aus 41 .
Ein Fürst, der Ruhm begehrt, muß Bauten gründen,
Die nach dem Tode noch sein Lob verkünden.
Du siehst aufrecht noch stehen die Pyramiden,
Und wieviel Könige sind dahingeschieden!
Ein großer Bau, auf festem Grund vollbracht
Gibt Kunde, daß sein Gründer groß gedacht.
Nach den authentischen Berichten über Samarrä wird uns selbst die Entstehung einerWunderstadt, wie die von Az-Zahra 42 , nicht mehr als ein Märchen erscheinen. SeinerGeliebten zu Ehren und nach ihrem Namen genannt, erbaute Abdurrhaman in der Nähevon Kordova eine Stadt, die eine großartig angelegte Hofhaltung war. Terrassenförmigstieg das Ganze empor, zu unterst lagen ausgedehnte Gärten, Fruchtgärten mit Vogel-häusern und Tierzwingern, alles wohl umgittert und eingezäunt, auf der mittleren Ter-rasse befanden sich die Wohnungen der Hofbeamten, die dritte oder vielleicht nochmehrere aufsteigende, nahmen das Wunder der W T elt, den Palast des Kalifen, ein. Dieschöne Aussicht über die Gärten wird besonders gerühmt; am prächtigsten war dieoberste Terrasse mit einem goldenen Saal und gewölbtem Pavillon; auch hier befandsich ein Quecksilberbassin. Daß es sonst an kunstvollen Teichen, Brunnenbecken inGärten und Zimmern nicht fehlte, versteht sich von selbst. Besonders berühmt war dasgrüne Bassin im Schlafzimmer des Kalifen, das aus dem Orient hierher geschafft und