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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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.5. KAP.

Baummotiv in byzantinischen Gärt

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goldete Vögel verschiedener Art saßen, welche, jeder nach seiner Art, ihre Stimmen er-tönen ließen. Des Kaisers Thron aber war derart eingerichtet, daß er bald niedrig,bald höher, bald ganz erhaben erschien. Den Thron bewachten zwei Löwen von unge-heuerer Größe, ob eherne, oder hölzerne, läßt er zweifelhaft, aber mit Gold über-zogen, welche in geeignetem Moment den Schweif mit dem Boden schlugen, mit offenemRachen und beweglichen Zungen ein Gebrüll hervorstießen. Der Bischof ließ sich da-durch nicht imponieren, die Byzantiner aber, wie der gleichlautende Bericht im Zere-monienbuche des Konstantin Porphyrogenetos 14 beweist, nahmen dies als einen ernstenMachtausdruck des Kaisers. Wir treffen hierwieder auf den metallenen Baum, von demuns die Mahawansa zuerst berichtet hat.Der byzantinische Hof aber ahmte auch indiesem Schmuckstück nur den persischenGroßkönig nach, dessen Thron eine goldenePlatane beschattete. Seine arabische Ver-breitung werden wir gleich kennen lernen.Auch das Baummotiv hatte in den Schilde-rungen der Liebesromane Eingang gefunden.Eine dieser Erzählungen trägt zwar den klas-sischen Namen Achilleis, doch liegt ihr dieklassische Hülle nur ganz lose auf, ihr ent-kleidet , erweist sie sich als ein echter höfischerLiebesroman mitden üblichen Schilderun-gen von Turnieren, sittsamen Jungfrauen,Palästen und Gärten" 15 . In einem dieserherrlichen Gärten 16 , die leider immer nur zuherrlich sind, so daß dem Erzähler die Wortefür die Schilderung fehlen, kehrt unseregoldene Platane wieder, Vögel sitzen dar-auf, die vom Winde bewegt mechanisch zusingen beginnen. Damals schon war dieserkünstliche Baum seiner einstigen religiösen

Bedeutung völlig entkleidet. Wir werden sehen, wie die Kreuzzüge die Kunde davon nachEuropa bringen. Im Auftrage des großen Khan der Tataren weiß im XIII. Jahrhundertein französischer Goldschmied ein schönes Zierstück zu verfertigen (Abb. 101), das sichnoch erhalten hat 17 : es ist ein silbernes Bäumchen mit goldenen Blättern, im Baumeschlängeln sich Drachenköpfe, die eine Flüssigkeit, wahrscheinlich Wein, in vier vonLöwen bewachte Schalen speien. In einem anderen der byzantinischen Romane wirdein prächtiges Bad in einem Parke geschildert 18 , hier ist die Wölbung des Daches alsBaum gestaltet mit Edelsteinen als Früchten, ein aus Gold gebildeter Weinstock klettertan der Wand in die Höhe und vermischt sich mit den Zweigen des Baumes. Ringsumaber sind Spiegel angebracht, die dem von außen Hereintretenden das Bild des Gartensnoch einmal zeigen. So hatte einst der einfache Teichspiegel im Roman des Tatiusdas Bild des Gartens zurückgeworfen. Wahrscheinlich war auch diese Romanschilderungnach einem wirklichen Vorbilde gemacht. Von einem Spiegelbade im Kaiserpalaste zu

Abb. 101

Silberner Baum

als Brunnen.

Von

G. de Boucher,

XIII. Jahrh.

Nach

L. de Beylie