5. KAP.
Byzantinische Brunnen
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Anlage, von der die Quellen nicht sprechen 10 , zu verstehen, müssen wir die Kenntnisrömischer Hippodrom- und Portikusgärten heranziehen: der ganzen Gestalt nach einlängliches Rechteck, das man noch heute klar erkennen kann, ist es ein römischerPortikusgarten, wie dieser von Säulenhallen umgeben; die mittelalterliche Klosteranlagewird später die Parallelerscheinung des Anschlusses an die Kirche zeigen. Weit bessersind wir über die Brunnenkunst der byzantinischen Anlagen unterrichtet, und hier istder orientalische Einfluß greifbar im eigentlichen künstlerischen Schmuck nachzuweisen.Der hervorstechendste Zug ist die Pracht des Materials, hinter der das rein künstlerischeMoment zurücktritt. Jener Pinienbrunnen im Hofe des Sigma war zwar seiner eigent-lichen Bestimmung als Wasserbehältnis entkleidet, aber die kostbare Flüssigkeit, dieer ausströmte, paßte gut in das Gefäß und gehört zu der Freude an der Kostbarkeit desMaterials. Auch auf der Westseite der neuen Kirche waren zwei Brunnen, bei denenBecher standen, in die von unten Wein hineinquoll. Auch die Wasserbrunnen waren aus
Abb. 98Terrassen-garten, byzan-tinischeMiniatur.Menologe duYatican,
XI. Jahrh.
Abb. 99Gärten, byzan-tinischeMiniatur.Homelies deJacques,
XII. Jahrh.
Nach
L. de Beylie
kostbaren Steinen hergestellt, um den Rand des einen vor der Kirche aufgestelltenhatte der Künstler Hähne, Böcke und Widder aus Erz gebildet, die von gewisser HöheStröme von Wasser ausgössen und gleichsam auf den Boden des Beckens ausspieen.Neben dem Material spricht aus der künstlerischen Nachbildung ein starker Naturalis-mus 10 . Auch hier war der eigentliche Wasserspeier ein Pinienzapfen, in jener Zeit wohldas beliebteste Brunnenmotiv, dessen früheste Gestalt jener antike Pinienzapfen, derheute den giardino della pigna im Vatikan ziert, zeigt 11 . Ein anmutiges Gartenbild (Abb. 99),das nur in Symbolen andeutet, läßt einen hier klassisch einfachen Brunnen zwischenzwei ihn überschattenden Bäumen, die eine Allee darstellen wollen, sehen, ebenso wieder verschnittene Baum ein Boskett, die einzelne Blüte ein Beet vorstellen wollen. Bedeut-samer ist der Brunnen auf dem Mosaik von Daphni (Abb. 100). Das Wasser fällt inzwei Schalen, von denen die untere aus buntem Marmor hergestellt ist, von hier fließtes weiter in ein verziertes Marmorbassin. Auch hier ist der Garten durch wenige Bäumeangedeutet, zur Seite aber ist eine Laube durch Zusammenbinden der Baumwipfel
schön geformt.
Zu allem diesen bieten die Liebesromane jener Zeit gute Beispiele. Sie knüpfen un-mittelbar an die hellenistischen Vorbilder an, wie in allem andern weiß man derstereotypen Gartenhintergrundsschilderung wenig Neues hinzuzufügen. Nur zeigt auch
10 Gothein, Gartenkunst I