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1 (1914) Von Ägypten bis zur Renaissance in Italien, Spanien und Portugal
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Kaiserpalast in Byzanz

5. KAP.

stimmen. Es läßt sich darin wohl die besondere Art der Entwicklung des Palast-theaters sehen, während sich das Theater derPolis zu eigener Form gestaltet hatte. DieSchautreppe der Sigma führt zu dem Hofe, der ein Peristyl war, herab. Dieser umschloßin der Mitte eine eherne Brunnenschale, deren Rand mit Silber eingefaßt war und dievon einem goldenen Pinienzapfen gekrönt wurde. Dieses Becken wurde an bestimmtenhohen Festtagen mit den jedesmal zeitigen Früchten, Pistazien, Mandeln und Pinien-nüssen gefüllt, während aus dem Pinienzapfen süßes Getränk floß. Man nannte diesenBrunnen den mystischen Brunnen des Trikonchos, ein Name, der noch nicht erklärtist, wohl aber aus dem Festbrauch herzuleiten sein wird. An der Seite des Sigmagegen Osten waren zwei eherne Löwen aufgestellt, diese spieen Wasser aus und fülltenden ganzen hohlen Raum des Sigma mit ihrem Strome an,was nicht geringes Ver-gnügen gewährte". Da auch der untere Raum, in dem sich eine geheimnisvolle Echo-halle befand, Sigma genannt wird, so wird wohl von diesem auf gleicher Höhe mit demPeristylhof liegenden hier die Rede sein. Auch eine Apsis oder ein Hemizyklium lagwahrscheinlich auf der anderen Seite des Peristyl. Von einer Bepflanzung dieses Hofeswird nicht gesprochen, doch ließ Theophilos, der diesen Bau sehr liebte, so daß er auchdie gewöhnlichen Geschäfte und täglichen Spaziergänge dort vornahm, auch fünfGärten ringsum im Stile des Palastes anlegen, was darunter zu verstehen ist, bleibtleider ungesagt 4 .

Daß alle anderen Paläste mit Gärten umgeben sind, versteht sich von selbst; von eini-gen wird ein schwaches ergänzungsbedürftiges Bild gegeben. So hören wir von demAnadendradion der Magnaura, des eigentlichen Repräsentationspalastes. Wie der Namesagt, muß es ein baumreicher Garten gewesen sein, man konnte direkt aus dem Braut-gemach hereinkommen, fließendes Wasser war darin, denn man schritt über eineBrücke, die über ein Bassin oder Kanal zum Bade herabführt, das sich am Ende des Gar-tens befindet. An Fest- und Empfangstagen richteten die Zimmerleute mit Hilfe vonsidonischen Teppichen, die zur Seite aufgehängt wurden, den ganzen Garten zu einemgroßen Zelte her, zu beiden Seiten waren dann Bänke für die Parteien und Zuschaueraufgestellt 5 . Auch das Gerichtsgebäude, der Lausiakos, hatte einen Garten, Mesokepiongenannt, wo Missetäter mit Rutenstreichen gezüchtigt wurden 6 . Sehr liebten die byzan-tinischen Kaiser ihre Söllergärten, von denen mehrfach die Rede ist. Ein Gedicht aufJustinianl. rühmt begeistert ein solches, dem Himmel offenes und doch vor allen Windenbeschütztes Haus in einem Söllergarten mit seiner herrlichen Aussicht auf das Meer 7 .Hochgelegene Terrassengärten zeichnen häufig die Miniaturen der Evangelien und Ge-betbücher des XI. und XII. Jahrhunderts 8 (Abb. 98).

Den bedeutendsten Garten dieses Palastes legte der kunstliebende Kaiser BasileiosL,der Makedonier, neben der von ihm erbauten neuen Kirche an, das Mesokepion genannt:Auf der Ostseite wurde ein großer oblonger Platz von zwei Seiten mit Portikus umgeben,als ein Garten, ein sogenanntes Paradies, bepflanzt mit Bäumen und Blumen aller Artund von fließende m, Wasse x unau fhörlich berieselt. In den Galerien, die den Gartenumschlossen, waren Bilder der Märtyrerkämpfe gemalt; die westliche Schmalseite nahmdie Kirche ein,' an der anderen aber hatte der Kaiser das neue Tsycannisterion errichtet,einen Spielplatz, auf dem das persische Polospiel, ein am Kaiserhofe schon zu Theodo-sios Zeit beliebtes Ballspiel, geübt wurde: der Ball wird vom Pferde herab mit einer Artvon langem Racket zwischen zwei Parteien hin und her geworfen 9 . Um die eigentliche