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5. KA P.
Kaiserpalast in Byzanz
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M Osten, an der Schwelle von Europa und Asien, hatte das Römer-tum unterdes versucht, sein geistiges Wesen in einer Pflanz-stätte griechischer Kultur zu retten; mit der Tradition der Welt-herrschaft hoffte es, es diesem Schwesterstamm aufzupfropfen.Als nach der Entscheidungsschlacht gegen Maxentius Konstantinseine Residenz nach dem Bosporus verlegte und ihr den NamenKonstantinopel verlieh, fand er dort das alte Byzanz als einekleine blühende Stadt. Es hatte zwar nie eine selbständige Rollegespielt, war aber um seiner glänzenden Lage und natürlichen Wohlstandsquellen willenein oft begehrter Zankapfel streitender Mächte gewesen. Schon im Altertum standByzanz im Rufe einer heiligen Stadt mit einer großen Menge Tempel und Kultstätten;sowohl außerhalb wie innerhalb der Stadt lagen hier neben dem Poseidontempel Sta-dien, Gymnasien, W'ettlaufplätze, welche Dion 1 die neuen nennt: ein griechisch-helle-nistisches Stadtbild, wie wir es zur Genüge kennen gelernt haben. Konstantin stecktedie Grenzen seiner Residenz gleich um ein gewaltiges größer ab und legte im Jahre 330den Grundstein zu dem Kaiserpalaste, der sich in achthundertjähriger Baugeschichte zumächtigem Umfange und einer Pracht entwickelte, die mittelalterliche Reisende nochin ihrem Verfall bewundern. Die literarischen Nachrichten 2 sind leider noch durchkeine Ausgrabungen unterstützt, und die Erwähnung von Gärten ist spärlich genug.Das Bild als ganzes zeigt auch hier, wie überall in byzantinischer Kultur, eine enge Verbin-dung griechisch-römischer und asiatischer Elemente. Wenn Grundriß und Anlage derPaläste, Höfe und Gärten sich nicht bedeutsam von uns bekannten römischen Palästenzu unterscheiden scheinen, so darf nicht vergessen werden, daß auch auf den römischenVillenbau zum mindesten der hellenistische einen großen Einfluß ausgeübt hat. Denbyzantinischen Kaiserpalast darf man sich mannigfaltiger als den auf dem Palatindenken; schon die lange Baugeschichte und die Einbeziehung der Kirchen bedingte dies,dagegen war er geschlossener als die Hadrianvilla, was ebenso durch den beschränkte-ren städtischen Baugrund erzwungen wurde.
Der Palast erstreckte sich an einer Seite bis zum Meere und scheint auf der anderenSeite immer in dem schon von Kaiser Severus begründeten großen Hippodrom seineGrenze gefunden zu haben. Selbst aber ein so später Palast, wie der Trikonchos 3 , derin der ersten Hälfte des IX. Jahrhunderts von Kaiser Theophilos erbaut wurde, erinnertan ähnliche Anlagen der Hadrianvilla, wenn auch die eigentliche Ausschmückungwieder deutlich asiatischen Einfluß verrät: Der Trikonchos ist, wie der Name sagt,ein Dreimuschelsaal, das heißt er ist mit drei großen Nischen versehen; durch dreiTüren gelangt man von hier in einen Vorraum, das Sigma, nach der Buchstaben-form des Alphabets genannt, ein oblonger, vorne offener Raum; diese Vorderseite istdurch 15 Säulen getragen. Das Sigma war eine Art Zuschauerloge, von der man aufden tief gelegenen Hof herabschaute, auf dem feierliche Tänze und Spiele stattfanden.Die Kaiserloge mit dem Thron war ein besonderer, von vier Säulen getragener Bal-dachin. Stufen führten von hier in den Hof hinab, die wiederum als Schaubänke für daskaiserliche Gefolge dienten. Auf der Mitte der Treppe erhob sich eine säulengetrageneLaube, wohl auch ein besonders bevorzugter Platz. In dieser Palasthoftreppe könnenwir vielleicht eine späte Entwicklung jener gewaltigen Schautreppen sehen, die inPalasthöfen zu Knossos und Phästos in Kreta den mächtigen Eindruck der Paläste be-
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